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Kompliment! Die Macht von Lob und Anerkennung

Shownotes

Warum fühlt sich ein Kompliment manchmal unangenehm an? Kann zu viel Lob Kindern schaden? Und wieso sollten wir lieber die Anstrengung loben als Talent? In der heutigen Folge sprechen Franca und Christian über die verblüffende Psychologie hinter unserem Lob und warum wir schöne Worte manchmal abwehren. Dazu gibts praktische und wissenschaftlich fundierte Tipps für bessere Komplimente. Korrumpierungseffekt, 5:1 und backfire - Wer sich auskennt, kann besser Gutes in die Welt bringen :)

Die Forschung zum Nachlesen gibt es hier: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0005796718300573

und hier: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28857141/

Unser Anrufbeantworter wartet auf eure Fragen: https://www.speakpipe.com/Psychologietogo

Hier gibt’s Tickets zu den kommenden Podcastfestivals: Mannheim: https://www.swr.de/home/swr-podcastfestival-100.html Nürnberg: https://bayerischer-rundfunk.ticket.io/BuUPYt60/

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Transkript anzeigen

00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode Psychologie To Go.

00:00:05: Das ist dein Podcast für hilfreiche Gedanken und Impulse direkt aus meiner psychotherapeutischen Praxis.

00:00:12: Hallo, bevor es gleich losgeht, möchte ich gerne einen kurzen Hinweis in eigener Sache loswerden.

00:00:16: Dieses Jahr sind Christian und ich wieder live unterwegs.

00:00:20: Und zwar am Samstag, den elften April, SWR Podcast Festival.

00:00:26: Und wir sprechen über Selbstsabotage, Denkfehler und was passiert, wenn der Kopf mal stolpert.

00:00:33: Ein Link zu den Tickets posten wir unter dieser Podcastfolge und wir freuen uns ganz, ganz sehr, wenn wir uns mal live sehen.

00:00:41: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Psychologie to Go.

00:00:45: Mein Name ist Christian Weiß, ich bin Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und neben mir eine Schönheit.

00:00:51: Hallo, Franka.

00:00:53: Hallo, Christian.

00:00:55: Ich bin Franka Thirouti, ich bin Psychotherapeutin und verwirrt von diesem ungewohnten Einstieg.

00:01:01: Aber immerhin hast du mal wieder Schönheit gesagt.

00:01:04: Das haben die Leute gern.

00:01:05: Einige.

00:01:06: Ich hoffe die Mehrheit.

00:01:07: Und wer nicht, der möge bitte immer unser Intro skippen, denn da besteht die Chance, dass das kommt.

00:01:12: Passt aber auch ein bisschen zu unserem heutigen Thema.

00:01:15: Heute geht es um Komplimente, um Lob, um Anerkennung und die Macht, die da eigentlich drin steckt.

00:01:22: Wir wollen darüber sprechen, warum es uns manchmal schwer fällt, Komplimente, Lob und Anerkennung gut zu formulieren.

00:01:29: Wir sprechen aber auch darüber, warum das manchmal so schwer ist, dass anzunehmen.

00:01:34: Und dann gibt es noch so ein paar ganz interessante Paradoxe-Phänomene, die ich finde, die man vor allen Dingen als Eltern echt kennen sollte.

00:01:43: Das passt ganz gut.

00:01:44: Wenn ihr die Folge am Erscheinungsdatum hört, nämlich am XXI.

00:01:49: Dann war gestern in den USA so eine Art inoffizieller Tag des Kompliments.

00:01:54: Was natürlich Quatsch ist, der offizielle Tag des Kompliments ist am ersten März.

00:01:58: Und

00:01:58: wer wüsste das nicht?

00:02:00: Also wir richten uns da streng nach im Kalender.

00:02:03: Das ist

00:02:04: ein Erfeiertag, den wir eingetragen haben.

00:02:06: Ja, aber tatsächlich war das ein bisschen der Aufhänger für diese Folge.

00:02:09: Ich bin nämlich tatsächlich anlässlich des Tags des Kompliments von unserem hiesigen Radiosender WDR II zum Thema Komplimente interviewt worden.

00:02:20: Und da habe ich gemerkt, dass das erstens ein total interessantes Thema ist.

00:02:24: worüber man wirklich viel erzählen kann.

00:02:26: Und zweitens, dass es da aber auch so kuriosem Bütchen zu geben scheint.

00:02:31: Nämlich das selbst ein mieses, schmieriges oder manipulatives Kompliment, trotzdem irgendwas Positives bewirkt.

00:02:38: So, da habe ich gedacht, nee, nee, nee, lass uns damit mal aufräumen.

00:02:43: Und das Gute ist, du hast hier an deiner Seite jemanden, der sich mit Komplimenten, da ja auskennt, auch.

00:02:50: Aber

00:02:50: du bist ein bandendes Kompliment für alle Mitmenschen, Christian.

00:02:54: Na, ich lebe das mit den Komplimenten und mit Freundlichkeit doch recht intensiv aus.

00:02:59: Ja, also ich muss mal so sagen, mit Christian einkaufen zu gehen.

00:03:02: Ich glaube, ich habe ja öfter schon mal gedroppt, dass du an allen möglichen Gelegenheiten mit allen möglichen Menschen sofort in Kontakt kommst, weil du zum Beispiel ihren Hauchzarten dialekt.

00:03:15: raus hörst und dann mit ihnen über ihre Heimatregion palierst oder weiß ich nicht, du stehst an irgendeiner Ecke rum, ich weiß nicht was passiert, du kommst immer mit Menschen ins Gespräch, aber der Punkt ist natürlich, dass du auch sehr freundlich und höflich bist und Komplimente verteilst.

00:03:34: wie verrückt.

00:03:35: Also wenn zum Beispiel in einem Restaurant uns jemand nett bedient oder ne, hier, ganz aktuelles Beispiel aus der Autowerkstadt, ich hab das Telefon da hat.

00:03:46: Mitgehört.

00:03:46: Darf ich das erzählen?

00:03:48: Ja, erzähl von mir aus.

00:03:50: Jetzt

00:03:50: auf das Telefonat war ungefähr so, dass du gesagt hast, Mensch, Jan.

00:03:55: Und ich möchte dazu sagen, du kennst Jan bis dato nicht.

00:03:58: Bis

00:03:58: dato kannte ich ihn nicht.

00:03:59: Du wusstest

00:04:00: nur jetzt, dass der Jan heißt, weil er sich so gemeldet hatte.

00:04:02: Und dann hast du gesagt, Mensch, Jan, also ich muss dir mal sagen, was du hier gerade rausholst für den ganzen Konzern, das ist unbezahlbar.

00:04:14: Also das beeindruckt mich jetzt richtig, wie du aufzackt bist und dass du dafür nochmal angerufen hast, das finde ich wirklich bemerkenswert.

00:04:23: Also danke Jan, ganz ehrlich, top.

00:04:26: Und dann hast du noch Wert drauf gelegt.

00:04:28: Ich habe dich dann zur Werkstatt gefahren, auszusteigen und dem Jan jetzt nochmal die Hand zu schütteln.

00:04:34: Und so kommt das, dass du auch alle möglichen Bromances hast, mit Leuten, die du wirklich mit Anerkennung und Lob und Komplimenten überhäufst.

00:04:43: So bist du.

00:04:44: Ich wollte gerade sagen, daran lässt sich tatsächlich schon so einiges Gutes wie Schlechtes ablesen.

00:04:50: Ja, zum einen, wie du sagst, war das jetzt Lob, war das Anerkennung, war das Dankbarkeit oder war das ein Kompliment?

00:04:57: Ja, und?

00:04:58: Was war es?

00:04:59: Je nachdem von wo man guckt, kann es alles ein Stück weit gewesen sein.

00:05:02: Es war ja auch recht ausführlich.

00:05:03: Du hast es ja auch ausführlich genug dargestellt.

00:05:05: Es war so.

00:05:07: Es ist einmal die bisschen die Frage, wie man diese Worte benutzt und sie fließen dann ineinander über.

00:05:11: Aber es gibt auch... ein paar knackige Unterschiede.

00:05:14: Ein Lob beispielsweise wird in hierarchischen Beziehungen eher gegeben.

00:05:18: Das heißt Eltern loben ihre Kinder, Lehrer loben Schüler, Vorgesetzte oder Chefs loben die Angestellten aus dem Team.

00:05:26: Meistens ist dann eine Hierarchie.

00:05:28: Wenn es andersrum passiert, ist es ein bisschen quirky, cringe.

00:05:32: Ein bisschen seltsam.

00:05:33: Also wenn Kinder, kleinere Kinder, die Eltern für Verhalten loben.

00:05:37: Das ist irgendwie wirklich komisch.

00:05:39: Schön, Mama, dass du heute so ruhig geblieben bist.

00:05:45: Anerkennung ist ein ganz breiter Begriff.

00:05:46: Anerkennung muss man nicht verbal geben.

00:05:49: Anerkennung muss nicht privat sein.

00:05:51: Anerkennung gibt es öffentlich.

00:05:53: Also die Verleihung einer Medaille beispielsweise ist Anerkennung.

00:05:56: Das ist kein Kompliment.

00:05:59: Kompliment ist für gewöhnlich eine sprachliche Äußerung und bewertet.

00:06:05: das Verhalten oder eine Eigenschaft oder ein Besitz von einer Person positiv und hat eine zwischenmenschliche Funktion für gewöhnlich oder zumindest die Absicht, eine positive Emotion auszulösen.

00:06:18: Das ist ein Kompliment.

00:06:19: Ja, und ich glaube, das ist ja auch dein Ziel.

00:06:21: Also positive Emotionen bei anderen auszulösen, in denen du ihnen mit ganz viel Interesse oder Aufmerksamkeit oder Wohl wollen.

00:06:29: Begegnest oder eben solche Sachen, die dir positiv auffallen, auch echt immer benenzt, das finde ich sehr charakteristisch für dich.

00:06:36: Und warum das so gut ist, das zu machen oder warum ich glaube, dass das so gut ist zu machen, hat mehrere Gründe.

00:06:42: Ich sage mal ganz trivialen, es kostet nix.

00:06:45: Stimmt.

00:06:46: Und wenn man sich überlegt, wenn man selber mal so in den eigenen Alltag schaut, wenn man mal so richtig aufrichtig und aus vollem Herzen und manchmal auch so überraschend was richtig nettes gesagt bekommt, das kann einem schon den Tag echt verschönern.

00:07:01: Und ich finde auch so von der Ausgewogenheit her, ist es ja... Zumindest gefühlt so, dass Leute ihre Kritik, ihren Unmut, ihre schlechte Laune häufiger mal äußern.

00:07:11: Und damit müssen wir alle umgehen.

00:07:13: Aber wenn jemand so aus vollem Herzen einfach was Nettes sagt oder was Anerkennendes, was Freundliches, wie du sagst, das kostet nichts, aber es macht uns irgendwie beide glücklich, oder?

00:07:22: Ja, tatsächlich, da gibt es sogar Forschung dazu.

00:07:24: Nicht nur derjenige, der das Kompliment empfängt oder das Dope empfängt, fühlt sich danach besser, sondern auch derjenige, der das Kompliment gemacht hat.

00:07:32: Und das kann ich nun wirklich aus langjähriger Erfahrung sagen.

00:07:35: Wäre dem nicht so, glaube ich, würde ich nicht so viel Komplimente streuen.

00:07:40: Und warum wirken Komplimente?

00:07:41: Oder du hast gerade schon gesagt, es ist ja eine breitere Begriffswolke, in der wir uns heute bewegen.

00:07:47: Also warum sind eigentlich Komplimente, aber auch... Allgemein an Erkennung und Lob.

00:07:51: Warum ist das so wirksam?

00:07:54: Für die Beantwortung solcher Fragen komme ich dir sehr häufig mit Hirnorganik und mit unserem Stoffwechsel im Hirn.

00:08:02: Und tatsächlich hat man das auch untersucht.

00:08:04: Ein aufrichtiges Kompliment aktiviert das mesolimbische, dopaminerge Belohnungssystem für die Spezialisten, vor allem das im Ventralen Striatum.

00:08:13: Und nur um das klarzumachen, das ist so ähnlich, was man da sieht im Gehirn, wie wenn man Geld bekommt.

00:08:19: Also eine monetäre Belohnung.

00:08:20: Das fühlt sich einfach gut an.

00:08:23: Ja, und vielleicht kann man das ja auch so ein bisschen evolutionspsychologisch betrachten.

00:08:27: Ich denke mir, wenn ich von einem Mitmenschen oder meiner Gruppe sozusagen Anerkennung bekomme oder die sich mir gegenüber positiv äußern, dann fühle ich mich in dieser Gruppe zugehörig und auch sicher.

00:08:40: Und mein Status ist sozusagen gesichert.

00:08:43: Und das wiederum, wenn wir uns das jetzt mal so auf so eine Steinzeit-Situation zurückdenken, sichert mein Überleben.

00:08:50: Vielleicht verbessert das sogar mein Status.

00:08:52: Genau.

00:08:53: Wir haben uns schon öfter mal in anderen Folgen darüber unterhalten, warum manche Ängste auftreten.

00:08:58: Und das hängt häufig damit zusammen, dass man innerlich befürchtet, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden.

00:09:03: Warum hat man so eine Angst vor Peinlichkeit?

00:09:05: oder vor Strafe oder vor Schimpfen.

00:09:07: Das hat damit zu tun, dass der Gruppe ausgeschlossen zu werden.

00:09:10: Das hier ist das Gegenteil.

00:09:11: Hier hat man das Gefühl, in der Gruppe zu sein, sicher zu sein und bleiben zu dürfen.

00:09:15: Und das fühlt sich gut an.

00:09:17: Ja, und tatsächlich sind ja die meisten Menschen stark anerkennungsmotiviert.

00:09:21: Also es gibt ja zum Beispiel psychologische Befunde, die zeigen, dass Menschen am Arbeitsplatz, weil du gerade gesagt hast, das ist ein Lob ist so ähnlich wie eine Geldbelohnung, am Arbeitsplatz scheint es sozusagen, dass Menschen teilweise die zwischenmenschliche Anerkennung und auch, dass jemand sieht, was sie tun oder welchen Platz sie einnehmen und was sie fürs Unternehmen geben und so weiter.

00:09:39: Dass das gesehen wird, ist vielen Menschen sogar wichtiger als das, was sie verdienen.

00:09:44: Also es ist, wenn man so will, ein psychologisches Grund.

00:09:46: Bedürfnis positiv validiert zu werden.

00:09:49: Ich sage ja immer, dass wir alle so unsere verschiedenen Persönlichkeitsaspekte und Anteile haben, sowas wie nazistische Anteile hat nämlich auch jeder.

00:09:58: Und das Motiv von Nazismus ist ja Anerkennung.

00:10:01: Und wenn wir ein bisschen nazistisch sind, man muss ein bisschen nazistisch sein, sonst traut man sich ja gar nicht auf die Straße.

00:10:07: Man muss sich das ein bisschen gut finden.

00:10:09: und dieser Teil von uns mag Anerkennung bekommen.

00:10:12: Und der wird dadurch auch ein Stück weit befriedigt.

00:10:14: Das ist gut.

00:10:15: Ja, gleichzeitig.

00:10:15: Du hattest gerade schon gesagt, dass Gehirn oder Teile des Gehirns Netzwerke reagieren auf Komplimente und Lob.

00:10:23: Es ist aber trotzdem so, dass wir gleichzeitig schon auch so eine Art Bullshit-Detektor haben, also so eine Art Authentizitätschecker.

00:10:34: Wir verstehen schon, dass wenn uns jemand eigentlich nur in manipulativer Absicht lobt oder komplementiert oder uns eigentlich instrumentalisieren will und eine Gegenleistung erwartet.

00:10:47: Oder wenn es so eine Art schmieriges Kompliment ist, weißt du, wieso?

00:10:51: von Menschen, die vielleicht zwei, drei zu viele schlechte Verkaufsseminare besucht haben.

00:10:58: Das spüren wir schon.

00:11:00: Interessanterweise bemerken wir das.

00:11:03: Es gibt aber Untersuchungen, die zeigen, dass dann trotzdem von den Leuten, die das Kompliment bekommen haben oder die so umgarnt wurden oder den so honig ums Maul geschmiert wurde, die bewerten dann die Person, die das gemacht hat, trotzdem Positiver.

00:11:18: Also wie es könnte, dass nebeneinander existieren.

00:11:20: So einerseits zu wissen, ich weiß genau, was du hier machst, du seifst mich ein und bist absichtlich nett, weil du was von mir willst.

00:11:29: Aber das macht dich auch ein bisschen sympathisch für mich.

00:11:32: Aber interessanterweise Außenstehende, die das beobachten, Die bewerten das häufig unseriös und so eine Verkäuferperson sinkt in der Achtung aller anderen.

00:11:43: Und die verlieren das Vertrauen in diese Schmeichlerperson.

00:11:48: Also, wo wir gerade schon beim Autohaus waren, die würden dann denken, ne, zu dem gehe ich nicht, schmierig.

00:11:53: Wenn sie daneben stehen.

00:11:53: Wenn

00:11:54: sie daneben stehen.

00:11:54: Ja, also man weiß sogar die Region, die das abcheckt.

00:11:58: Das ist so im mittleren Teil des präfrontalen Cortex.

00:12:01: Da wird das abgeglichen.

00:12:02: Stimmt denn das Kompliment oder stimmt das nicht?

00:12:05: Jetzt gibt es mehrere Dinge.

00:12:06: Erstens, Menschen, Biologie im Allgemeinen ist Fehler behaftet.

00:12:10: Das heißt, die Einschätzung, die wir aus diesem Gehirnteil bekommen, kann falsch sein.

00:12:14: Das Kompliment kann ehrlich gemeint sein und wir denken, nee, das ist doch Geschleimer.

00:12:18: Ja, aber zu dem Problem müssen wir ja sowieso noch kommen.

00:12:21: Wir haben ja gesagt, wir sprechen darüber, wie man ein Kompliment idealerweise äußert, aber auch, wie man ein Kompliment annimmt.

00:12:27: Und da gibt es ja spezielle Schwierigkeiten.

00:12:30: Es gibt ja Menschen, die halten jedes Kompliment, auch jedes aufrichtige Kompliment, für Augenwischerei und für eine Lüge oder eine Übertreibung.

00:12:38: Zum Beispiel sehr selbstunsichere Menschen.

00:12:41: Ja, du hast recht, aber solche Mechanismen gibt es trotzdem auch bei Menschen, die nicht nennenswert selbstunsicher sind.

00:12:47: Und so kann es eben auch sein, dass Leute, die eher nur schmeicheln, durchaus damit durchkommen.

00:12:52: Letztendlich bleibt dir natürlich immer ein gewisser Zweifel.

00:12:54: Du bist ja nicht nur so instinkthaftes Denken, sondern du denkst ja auch mit deinem Verstand und gehst es durch.

00:13:01: Und das ist natürlich ein Problem für jemanden, der am Ende schmeichelhaft wirkt.

00:13:04: Du hast dann vielleicht ein besseres Gefühl, ja, der ist trotzdem nett, aber du rechnest das in deinen Entscheidungen nachher unter Umständen wieder raus.

00:13:12: Unter anderem benutzen wir übrigens dafür nonverbale Signale.

00:13:16: Also wie die Körpersprache von jemandem ist, der dir das Kompliment macht, ist durchaus entscheidend.

00:13:21: Ah, interessant, ja.

00:13:23: Deswegen ist es auch manchmal so komisch oder wirkt es so komisch in Social Media, wenn solche Sachen da stehen.

00:13:29: Du kannst nicht überprüfen, wie die Körpersprache ist, wie der Tonfall ist, wenn jemand was geschrieben hat, wenn es schriftlich passiert das Kompliment.

00:13:38: Also... Beobachten wir immer wieder mal, dass wenn es Komplimente über Social Media gibt, dass die sehr ausufern sind oder sehr deutlich gemacht werden.

00:13:48: Und dadurch haben wir wieder das Gefühl, alles übertrieben hier.

00:13:53: Also das heißt, das kann durchaus schon etwas kompliziertere Sache sein.

00:13:58: Auf der anderen Seite denke ich, das, was wir eingangs gesagt haben, eigentlich wäre es doch so leicht und so schön und es kostet uns doch nichts, anderen auch den Tag ein bisschen zu verbessern oder irgendwas Nettes zu sagen, was uns auffällt.

00:14:10: Trotzdem gibt es da ja offensichtlich Hürden, warum das nicht passiert.

00:14:16: Spannend, weil... Die meisten Menschen, die gefragt werden, oder durchschnittlich sagen die Menschen, die gefragt werden, ich glaube, ich lobe zu wenig.

00:14:23: Und ich mache zu wenig Komplimente.

00:14:25: Das sagen Leute über sich selber.

00:14:27: Ja.

00:14:28: Die meisten Menschen sagen, ich glaube, ich lobe zu wenig und gebe zu wenig Komplimente.

00:14:33: Ja gut, nicht gemäckert ist gelobt genug, ne?

00:14:36: Ne, das ist eine sehr spannende Einstellung.

00:14:41: Bist du nicht so groß geworden?

00:14:43: Nee, so bin ich tatsächlich nicht groß geworden.

00:14:46: Ich bin mit einer anderen Haltung zu Komplimenten groß geworden, nämlich, dass man sie zurückweist.

00:14:52: Ach so, warte.

00:14:53: Du hast... Hä?

00:14:54: Nee, erklär mal.

00:14:55: Also...

00:14:56: Lob wurde durchaus gegeben.

00:14:58: Lob und Komplimente wurden durchaus gegeben.

00:15:00: Nicht in so besonders ausufernder und hochfrequenten Formen, aber das gab es.

00:15:04: Ja.

00:15:04: Aber es wurde erwartet, so habe ich das jedenfalls im Kopf, das mir das beigebracht, wurde, dass man Komplimente oder besonders viel Lob zurückweist und da Bescheiden bitte ist.

00:15:13: Oh

00:15:13: shit, ich sag zu deiner Mom immer einfach, danke.

00:15:18: Jetzt kommt das Gute.

00:15:19: was Komplimente, Lob und Anerkennung angeht.

00:15:22: Sowohl das Geben als auch das Empfangen davon.

00:15:25: Das sind Dinge bei Menschen, die sich unglaublich gut ändern lassen.

00:15:29: Das braucht möglicherweise ein bisschen Zeit, aber das ändert sich total gut.

00:15:34: Das kann man sehr gut lernen, das kann man sehr gut verändern, wenn man möchte.

00:15:37: Aber es ist nicht nur so, dass Menschen weniger loben, als sie gerne würden.

00:15:43: Sie bekommen auch weniger, als sie gerne würden.

00:15:45: Und du hast ja gefragt, warum wir so wenig loben.

00:15:49: Das ist auch untersucht worden.

00:15:50: Und es sieht so aus, dass wir systematisch unterschätzen, wie positiv unser Kompliment wohl ankommen wird.

00:15:57: Wir glauben, dass es zurückgewiesen wird.

00:16:00: Wir glauben, dass es eine komische, unangenehme Situation wird.

00:16:03: Dass es irgendwie peinlich wird.

00:16:04: Oder dass wir als Schleimer beurteilt werden.

00:16:07: Wir glauben aber auch manchmal, hey, das muss ich nicht extra dazusagen.

00:16:10: Derjenige weiß das doch selber.

00:16:13: oder wenn es um Kinder geht, hey, nicht zu viel loben, das ist ja verwöhnen.

00:16:17: Ja,

00:16:18: dann werden die verhätschelt und eingebildet.

00:16:19: Genau.

00:16:20: Und das sind so Barrieren, warum man nicht lobt.

00:16:22: Ja.

00:16:23: Oder so wie ich das manchmal mache, tatsächlich im Supermarkt einfach so oder auf der Straße, mit kaum bekannten oder Kurzkontakten.

00:16:30: Und es ist natürlich viel einfacher, dieser inneren, ich sage jetzt mal, furcht, dieser kleinen Furcht aus dem Weg zu gehen und einfach seinen Mund zu halten, anstatt es einfach zu probieren.

00:16:39: Ja, auf der anderen Seite ist es ja tatsächlich auch manchmal ein schmaler Grad oder dünnes Eis.

00:16:46: Zum Beispiel hat sich ja in weiten Teilen doch inzwischen herumgesprochen, dass wir vielleicht besser nicht ungefragt das Aussehen anderer Menschen beurteilen, dass wir nicht ungefragt zu einer Person sagen, toll, wie du abgenommen hast, selbst wenn wir das freundlich meinen, weil wir ja überhaupt nicht wissen, was dahintersteckt.

00:17:04: Vielleicht geht es dieser Person gerade saumäßig schlecht.

00:17:08: Und wir haben es als Kompliment gemeint, aber es ist im Grunde... eine totale Grenzüberschreitung.

00:17:12: Also ungefragt, das Äußere zu beurteilen, finde ich schon mal schwierig.

00:17:17: Also du sagst, man kann tatsächlich auch in ein Fettnäppchen treten.

00:17:21: Es kann missverstanden werden als Annäherungsversuch oder als letztendlich eine Art von Beleidigung oder Herabwürdigung.

00:17:28: Ja, vor allen Dingen, wenn es überhaupt kein Kompliment ist in Wirklichkeit, weißt du, so vergiftete Komplimente wie, siehst gut aus für dein Alter.

00:17:38: Oder wenn mir Leute sagen, dass ich gut einparken kann für eine Frau.

00:17:44: Du kannst total gut einparken.

00:17:46: Pum!

00:17:46: Ja, kann ich auch.

00:17:48: Danke.

00:17:49: Ja, das ist die Wahrheit.

00:17:51: Also das sind natürlich Komplimente.

00:17:53: Da muss man sich bewusst sein, dass das einfach eine Beleidigung ist.

00:17:57: Ja, also wenn man randlose Brillen mag, ist deine bestimmt die schönste.

00:18:04: Wow, danke oder nein.

00:18:07: Für jemand, der sich so schwer tut mit dem Rechnen, war das ganz gut.

00:18:12: Du bist anhand ein erschreckend gut drin.

00:18:15: Also es könnte sogar die Angst bestehen, dass man ein versehentlich vergiftetes Kompliment macht.

00:18:21: Das ist übrigens auch wieder ein Grund, warum ich sage, hey, das kann man ganz gut üben.

00:18:25: Wir loben zu wenig und es gibt auch bestimmte Barrieren, die uns daran hindern zu loben, wie man das gut machen kann und wie ein echtes Kompliment aussieht.

00:18:33: Das besprechen wir gleich nochmal, aber lass uns doch mal ganz kurz auf die andere Seite gucken, nämlich auf die Empfängerseite.

00:18:39: Warum fällt es denn vielen Menschen so schwer, Komplimente?

00:18:44: anzunehmen.

00:18:46: Zum Beispiel ist es in so Manualen, wo es darum geht, dass Menschen Selbstsicherheit entwickeln und ihr Selbstbewusstsein aufbauen, immer ein Bestandteil, dass diese Leute üben sollen, Kompliment anzunehmen.

00:18:58: Das ist für viele Menschen unfassbar schwierig und die erleben ein Kompliment, glaube ich, auch nicht, so wie du gerade gesagt hast, als zu ein kleines Geschenk fürs Wohlbefinden, sondern die reagieren eher gestresst und verschreckt.

00:19:12: wenn sie ein Kompliment bekommen.

00:19:14: Auch das kann man tatsächlich hier in organisch nachweisen.

00:19:16: Bei Menschen, die diese Art von Problem haben, geht ein Kompliment nicht wie eben besprochen ins ventrale Streatum, sondern gleich in die Amygdala, da wo Alarm ist, da wo Aufregung und Bedrohungserleben verarbeitet wird.

00:19:29: Das

00:19:30: ist so interessant, weil ich glaube, ich kann da noch sehr gut hinfühlen, dass mich Komplimente als junge Frau auch eher sehr gestresst haben.

00:19:41: Und ich hatte da vor allen Dingen sehr unbequeme Emotionen jeweils.

00:19:45: Und so Gedanken, wie, also, dass das nicht stimmt.

00:19:50: Also, es passt da halt nicht zu meinem Selbstbild.

00:19:52: Ja, das kann ja echt ein Problem sein.

00:19:55: Wenn das so daneben ist, man hat ja eine Identität, ein Gefühl von, wer man ist, wie man ist, was man kann.

00:20:00: Genau.

00:20:01: Und dann habe ich immer eher, wie möchte ich sagen, fast misstrauisch reagiert.

00:20:05: Okay.

00:20:06: Weil ich dachte, kann ja nicht sein.

00:20:08: Also entspricht ja gar nicht meiner eigenen Selbstwahrnehmung.

00:20:12: Also stimmt das nicht?

00:20:14: Und dann habe ich mich eher so fast schon ein bisschen wie angelogen gefühlt.

00:20:18: Und nicht, als hätte mir gerade jemand was Nettes gesagt.

00:20:22: Das wäre ein bisschen traurig.

00:20:23: Ja nun, ich bin ja, wie du schon gesagt hast dem auch ein bisschen entwachsen.

00:20:27: Man kann das ja zum Glück verändern.

00:20:29: Aber ich weiß, dass ich Schwierigkeiten damit hatte.

00:20:32: Ich hatte ja auch große Schwierigkeiten zum Beispiel mit Rot werden.

00:20:35: Das war auch so was.

00:20:37: dass Komplimente bei mir häufig ausgelöst haben, dass ich sofort sehr rot geworden bin, weil ein Kompliment ja immer auch bedeutet, dass eine Person dich beobachtet hat, irgendwas an dir wahrgenommen hat und jetzt etwas bewertet.

00:20:52: Und mein rot werden Fußdeben auf einer Bewertungsangst?

00:20:56: Du hattest sicher sozialfobische... Aspekte in

00:20:59: dir?

00:20:59: Ja, absolut.

00:21:00: Und dann war das eher auch mit Unbehagen verbunden, weil ich dann auch noch so rot geworden bin.

00:21:05: Dazu ganz kurze, eckige Klammer.

00:21:07: Eine soziale Phobie hat als zentrales Thema die Angst vor Bewertung.

00:21:12: Also nicht vor sozialen Kontakten, wie man denken könnte, sondern vor allen Dingen in etwas fremderen Kontexten von außen bewertet zu werden, angeguckt zu werden.

00:21:22: Genau, und das impliziert ja ein Kompliment.

00:21:24: Ja, und... Das macht es ein bisschen schwierig.

00:21:27: Du kannst jemanden, dem du da eigentlich wohlwollend gegenübertreten möchtest, mit einem Kompliment auch noch mehr Angst einjagen.

00:21:34: Ja, und dann gibt es, glaube ich, auch noch Menschen, die können Komplimente in bestimmten Phasen ihres Lebens sowieso nicht gut annehmen, nicht weil sie so unsicher sind, sondern weil sie zum Beispiel gerade in einer depressiven Phase stecken.

00:21:45: Das stimmt.

00:21:46: Wer gerade in einer depressiven Episode steckt, wer darunter leidet, hat eine Weltsicht, die alles dunkel, alles grau macht.

00:21:54: Und das wird auch dann nicht wirklich geglaubt, das wird nicht angenommen.

00:21:58: Die positiven Effekte, die normalerweise Lobanerkennung Kompliment hat, die entfalten einfach keine Wirkung.

00:22:04: Das heißt aber nicht, dass man nicht mehr loben sollte oder keine Komplimente machen sollte.

00:22:08: Denn es kann durchaus sein, dass das Wegfallen der, ich sag mal, Normalfrequenz an Kompliment und Blob durchaus bemerkt wird.

00:22:17: Und das Wegfallen ist ja dann sowas wie eine Beleidigung oder wie ein runterziehen.

00:22:21: Das wird unter Umständen durchaus wahrgenommen.

00:22:24: Macht es schlimmer.

00:22:25: Also ruhig trotzdem wenigstens in der Normalfrequenz weiter Anerkennung und Blobzollen.

00:22:30: Ja, aber das führt halt dazu, wenn jemand Schwierigkeiten hat, Komplimente anzunehmen.

00:22:35: dass dann häufig auch so unwirsche Reaktionen folgen, dass man das Kompliment so gar nicht annimmt, so wie du gerade gesagt hast, oder das ist vielleicht auch ein kultureller Aspekt, dass man das sozusagen von sich weiß, dass man sagt, ach, das hätte doch jeder so gekonnt.

00:22:49: oder, ach, das Kleid hier, das alte, lumpige Ding, das habe ich ja von der Restaurantpe.

00:22:54: Also, dass man es irgendwie so schreddert, das Kompliment, nicht annimmt sozusagen, oder dass man es irgendwie so humorvoll oder ironisch bricht oder irgendwas, weil man es halt wirklich eigentlich nicht annehmen kann.

00:23:07: Oder es erzeugt Druck, dass man ganz schnell jetzt was finden muss, irgendwas Nettes, irgendwas, irgendwas, irgendwas, was man jetzt zurückgeben kann.

00:23:14: Das haben manchmal Menschen auch, dass sie denken, das ist so eine Art soziales Austauschgeschäft und jetzt muss mir super schnell, spontan auch irgendwas einfallen.

00:23:24: Ach du lieber Himmel, und dann steht man richtig unter Druck.

00:23:26: So was macht.

00:23:27: Zwischenmenschliche Kommunikation so spannend, so interessant, aber auch manchmal so kompliziert.

00:23:32: Denn diese Unterschiede kann es schon kulturell zwischen Familien und ganz besonders zwischen größeren Kulturen geben, also im asiatischen Raum.

00:23:40: ist es meines Wissens nach eher so, dass man ein Kompliment freundlich zurückweist.

00:23:45: Das gehört aber dazu.

00:23:47: Das wird erwartet, dass man das tut.

00:23:49: Wenn man es nicht zurückweist, gilt man eher als unhöflich und...

00:23:52: Zu selbstbewusst.

00:23:53: Zu selbstbewusst.

00:23:54: Ich kann leider nicht sagen, dass wir jetzt auf unserer Reise, hört gerne mal in unseren Podcast Happy to Go rein, diese Erfahrung gemacht hätten.

00:24:02: Aber wenn ihr euch damit gut auskennt, dann würden wir uns total freuen, wenn ihr... bei Instagram unter Franka, Unterstrich, Chiroti, Unterstrich, Psychologie, uns darüber erzählt.

00:24:13: Also Erfahrung aus erster Hand wären da ganz toll.

00:24:15: Apropos Instagram, ich hab da heute eine Geschichte gelesen.

00:24:18: Von einer Frau, sie ist aus Australien und lebt aber in Helsinki.

00:24:23: Und dass die Australier uns jetzt explizit sehr offen, sehr freundlich auffallen.

00:24:31: Das kann man, glaub ich, schon so sagen.

00:24:32: Das

00:24:32: war ganz meins.

00:24:33: Ja, total.

00:24:34: Und sie, Hannah, heißt sie, hat erzählt, dass ihre Love-Language sozusagen ist, wenn sie versucht Freunde zu gewinnen oder mit Leuten irgendwie ein bisschen näher in Kontakt zu kommen als Australierin, dass man anfängt sich so ein bisschen auf die Schippe zu nehmen, so ein bisschen liebevoll Späße miteinander macht.

00:24:53: Ja, auch.

00:24:54: Jemand mal so ein bisschen auf die Schippe nimmt und sie hat gesagt, das hat sie am Arbeitsplatz mit den Finn versucht.

00:25:01: Und haben sie einfach nur so ganz kalt angeguckt beim gemeinsamen Mittagessen und haben gesagt, what was this?

00:25:09: Das hat nicht so gut funktioniert interkulturell.

00:25:12: Also ich glaube schon, dass es da Unterschiede gibt.

00:25:14: oder auch, wenn ich manchmal an dieses sehr expressive Denke, was ich so im amerikanischen Sprachraum wahrnehme, die Leute sagen ja nicht einfach Danke oder schön.

00:25:26: Sondern die sagen,

00:25:27: oh mein Gott,

00:25:28: und so.

00:25:28: Und sind

00:25:29: so überschwänglich

00:25:30: so drüber, drüber, drüber, wo man denkt, meine Güte, das war keine Operation am offenen Herzen, was ich hier geleistet habe.

00:25:37: Wo

00:25:37: wir denken.

00:25:39: Ja.

00:25:39: Das war nicht so doll, das ist übertrieben.

00:25:42: Wie gesagt, das ist der Kontext.

00:25:42: Ich glaube, dass es wahrscheinlich weiterhin da interessante kulturelle Unterschiede gibt, die auch prägen, wie man mit Komplimenten umgeht, wie man auf sie reagiert.

00:25:52: Aber ich glaube, man macht keinen Fehler, wenn man im Deutschen zumindest sich... Übt darin, einfach nur zu sagen, Danke.

00:25:59: Und das ist für viele Menschen eine riesige Herausforderung.

00:26:03: Und alle unangenehmen Gefühle, die so ein Kompliment auch mit sich bringen kann, durch sich durchgehen zu lassen, zu akzeptieren, dass man rot wird und all das und trotzdem zu lächeln und Danke zu sagen und sonst gar nichts.

00:26:17: Ich weiß noch genau, wie schwer mir das gefallen ist, als ich das geübt habe.

00:26:21: Es ist mit Lob und Komplimenten so... wie mit fast allen Dingen im Leben.

00:26:27: Es gibt eben einen zu wenig und es gibt immer auch einen zu viel oder den falschen Zeitpunkt irgendwas zu tun oder zu lassen.

00:26:34: Ja

00:26:35: und dazu würde ich auch gerne noch ein Experiment erzählen.

00:26:37: Das ist wirklich schon ein totaler Klassiker.

00:26:39: Es ist über fünfzig Jahre alt und zwar ist das eins von, ich glaube es gibt mehrere so ähnliche Experimente mit Filzstiften und Kindergarten Kindern.

00:26:48: Hast du das schon mal gehört?

00:26:49: Ich weiß nicht genau, ob ich es du jetzt meinst.

00:26:51: Ich erzähle es mal.

00:26:52: Da... war eine Gruppe von Vorschulkindern, die waren maximal fünf Jahre alt, also so drei bis fünf, wie man eben in der Vorschule so ist.

00:27:00: Und das war die Kita vom Stanford Campus, also von der Universität.

00:27:04: Da müssen also nicht nur die Studierenden herhalten für die Experimente, sondern auch die Kinder.

00:27:09: Und dann wurde zunächst mal geguckt, wie viel die Kinder durchschnittlich malen.

00:27:16: Also wie häufig und wie viel wird da freiwillig in die Filzstiftbox gegriffen in den Freistunden?

00:27:22: und die Kinder malen freiwillig, intrinsisch motiviert, ein schönes Bild.

00:27:26: Und das war dann sozusagen der Ausgangswert.

00:27:29: Also so haben die Kinder, wenn man sie völlig frei hat, entscheiden lassen, gemalt.

00:27:34: Und dann hat man... In der Experimentsituation, die Kinder in drei Gruppen geteilt, der ersten Gruppe hat man gesagt, wenn du mir ein schönes Bild malst, dann bekommst du eine Urkunde.

00:27:45: Man hat also eine Belohnung ausgelobt fürs Bild malen.

00:27:48: Die zweite Gruppe hat ganz normal gemalt, wie immer, die hatten vorher auch keine Instruktion bekommen und haben nachdem sie fertig gemalt, hatten überraschend auch eine Urkunde bekommen.

00:27:59: Aber sie hatten diese Belohnung überhaupt nicht erwartet, die war auch nicht angekündigt gewesen, die hatten halt einfach so gemalt.

00:28:05: Und bei der dritten Gruppe gab es keinen Kommentar, keine Belohnung, das war sozusagen die Kontrollgruppe.

00:28:10: So, und jetzt, zwei Wochen später hat man geschaut, ob die Kinder in Gruppe eins, zwei oder drei, also eins war die Gruppe mit der erwarteten Belohnung, Gruppe zwei war die, die unaerwartete Belohnung bekommen haben und Gruppe drei, die die gar keine Belohnung bekommen haben.

00:28:24: Was glaubst du?

00:28:26: Wie haben die zwei Wochen später ... gemalt oder nicht gemalt und zwar freiwillig.

00:28:31: Jetzt bin ich ja vom Fach.

00:28:33: Stimmt.

00:28:33: Shit.

00:28:35: Und was du erzählst, ist hier der Korumpiereffekt.

00:28:40: Genau.

00:28:41: Die Grupphör, die erwartet haben eine Belohnung zu bekommen, haben weniger gemalt.

00:28:46: Genau das.

00:28:47: Und das ist... so interessant, deutlich weniger sogar.

00:28:50: Die Kinder denken also nicht mehr, ich male jetzt, weil mir das Spaß macht, sondern ich male, um eine Urkunde zu bekommen und das hat ihnen weniger Bock gemacht.

00:29:00: Das heißt, die Belohnung hat die wahre intrinsische Motivation und die Freude am Malen kaputt gemacht.

00:29:08: Und in den anderen beiden Gruppen, wie war's da?

00:29:10: Da gab's gar keine Veränderungen.

00:29:11: Die Kinder haben weiterhin genauso gemalt, wie das schon vor der Experimentalsituation festgehalten worden war.

00:29:17: Also die waren weiterhin durchschnittlich intrinsisch motiviert, einfach zu malen.

00:29:22: Also das Problem ist, du kannst mit der falschen Art von Anerkennung, und zwar, wenn du sie auslobst, die innere Motivation zerstören.

00:29:32: Ja, genau das.

00:29:33: Und das bedeutet... Und das finde ich jetzt zum Beispiel für uns Eltern ganz interessant, dass wir wirklich nicht Dinge künstlich belohnen sollten oder gar mit Geld bezahlen oder irgendwie sowas, die das Kind sowieso freiwillig gerne macht, weil das kann diese freiwillige Freude und die intrinsische Motivation zerstören.

00:29:56: Was super spannend ist und erstmal so ein bisschen kontraintuitiv.

00:29:59: Total.

00:30:00: Genauso übrigens gibt es den sogenannten Backfire Effekt.

00:30:03: Das ist, wenn man Kinder für ihre Intelligenz lobt, wenn man ihnen Komplimente macht, wie schlau sie sind.

00:30:10: Das geht auch so bis ich nach hinten los.

00:30:11: Sie verlieren auch dadurch, Ausdauer schwierige Probleme zu lösen.

00:30:15: Es funktioniert im Gegensatz dazu nämlich viel besser, wenn man sie für die Anstrengung lobt.

00:30:20: Also nicht, du bist so toll, sondern es ist toll, wie du dich verbessert hast.

00:30:24: Es ist toll, wie du dich angestrengt hast.

00:30:26: Denn Kinder wählen weniger anspruchsvolle Aufgaben, damit sie den Status, ich bin so klug, nicht verlieren.

00:30:33: Ja, ich verstehe.

00:30:34: Also, wenn das Kind sich angestrengt hat und hat irgendwas geschafft und du sagst, toll gemacht, du bist so schlau, möchte das Kind diesen Status, so schlau, nicht verlieren und wählt in Zukunft einfachere Aufgaben, die es auf jeden Fall bewältigen kann, und zwar denn, als das schlaue Kind gilt.

00:30:51: Ja.

00:30:52: Aber wenn du sagst, super, wie du dich angestrengt hast oder schau mal, es hat jetzt schon besser geklappt als beim letzten Mal, dann ... verstärkst du dadurch im Grunde, das Kind darin Herausforderungen anzunehmen oder auch mal was Schwieriges zu machen oder durchaus es drauf ankommen zu lassen, zu scheitern, weil es den Status, du bist so schlau, nicht halten musst, sondern sozusagen den Status, dass es sich traut, es zu probieren.

00:31:17: Ja,

00:31:17: genau.

00:31:17: Interessant.

00:31:18: Auch ein bisschen Kontraintuit.

00:31:20: Auch Kontraintuit, das ist ja, wir haben ja nur drei Kinder.

00:31:23: Und ich kann sagen, das ist aus der Erfahrung heraus gar nicht so leicht sich da jedes Mal wieder dran zu erinnern, dass man das besser so macht.

00:31:30: Denn wir kommen aus der Erwachsenenwelt und jemanden ein Kompliment zu machen für seine Schlauheit ist durchaus in Ordnung.

00:31:35: Den Effekt gibt es vermutlich bei Erwachsenen auch noch so, aber in ganz, ganz viel geringer Reform.

00:31:41: Denn da ist das Kompliment.

00:31:42: dass man jemandem macht für seine Intelligenz, für gewöhnlich nicht unbedingt Motivationsgeeignet, das macht man unter Erwachsenen, es sei denn man ist in einer Chefposition, macht man für gewöhnlich nicht unbedingt, sondern da geht es eher darum, das Kompliment als soziales Schmiermittel zu nutzen und eine positive Emotion zu erzeugen.

00:32:01: Komplimente bei mir durchaus auch zu Errötung geführt haben.

00:32:04: Tatsächlich habe ich eine Studie dazu gefunden, die trägt den Namen When Gushing Leads to Blushing.

00:32:10: Und dabei geht es um sozialängstliche Kinder, die auf übermäßige Komplimente... nämlich auch ganz kontraintuitiv reagieren, nämlich immer zurückhaltender und immer ängstlicher werden.

00:32:24: Und das ist natürlich überhaupt nicht das, was die Erwachsenen intendieren.

00:32:28: Und das möchte ich auch noch kurz erzählen.

00:32:30: Die Studie geht zurück auf den niederländischen Forscher Eddie Brummelmann und er hat gezeigt, dass es ein paradoxes Missverhältnis gibt zwischen Erwachsenen, die unsichere Kinder fördern möchten und dem, was sie dann tun und wie sich das tatsächlich auf die Kinder auswirkt.

00:32:45: Also, der Mechanismus ist der folgende.

00:32:48: Erwachsene Menschen haben manchmal das Bedürfnis, gerade die eher zurückhaltenden, schüchternen Kinder übermäßig zu loben, weil sie glauben, dass sie damit dem Selbstwertgefühl sozusagen auf die Sprünge helfen.

00:32:59: Und jetzt in dieser speziellen Experimentalsituation war es so, dass die Kinder wiederum Bilder malen sollten und dann wurden bei einigen Kindern die Bilder einfach nur als schön bezeichnet und bei anderen Kindern als unglaublich schön.

00:33:15: ganz aufgeblähte Komplimente bekommen für die Bilder, die sie so abgeliefert haben.

00:33:22: Und wenn die Erwachsenen gesagt haben, das hast du wirklich unglaublich schön gezeichnet, reagieren zurückhaltende eher ängstliche Kinder damit, dass sie denken, oh wow, das ist jetzt hier der Standard.

00:33:34: Ich muss unglaublich schöne Ergebnisse liefern.

00:33:39: Keine Ahnung, wie das mir jetzt dieses Mal gelungen ist, aber okay, wow, das schaff ich wahrscheinlich nie wieder diesen Standard zu wiederholen.

00:33:48: und unsichere Kinder fürchten darauf hin und wir hatten ja gerade schon über Bewertungsangst gesprochen.

00:33:55: Eine solche Situation beim nächsten Mal eventuell nicht so glimpflich ausgeht, dass diesen anscheinend unglaublich hohen Standard nicht wird erfüllen können und fürchten sich vor solchen Situationen, fürchten jetzt schon die Beschämung.

00:34:08: und um das Risiko zu vermeiden, wählen sie, wenn sie können, überhaupt nicht mehr sich solchen Aufgaben zu stellen oder sie wählen immer leichtere Aufgaben.

00:34:17: Das heißt, sie ziehen sich sozusagen aus Kontexten, in denen sie sich entwickeln könnten, in denen sie lernen könnten, in denen sie, aber auch mal Fehler machen würden.

00:34:24: natürlich, da ziehen sie sich, wenn sie können, zurück.

00:34:28: Und das ist ein Problem, ne?

00:34:29: Also, die sich selbst verstärkende Schleife ist halt, dass ein Kind ein niedriges Selbstwertgefühl zeigt.

00:34:34: Der Erwachsene will den Selbstwert stärken und macht deshalb so aufgeblähte Lobhudeleien.

00:34:40: Daraus leitet das Kind aber eigentlich eher Druck ab, meidet in der Folge Herausforderungen erlebt.

00:34:46: weniger Erfolgserlebnisse, meistert weniger Herausforderungen und dadurch sinkt der Selbstwert immer weiter.

00:34:53: Und das Kind macht immer weniger.

00:34:56: und selbst diese ganz kleinen rudimentären Dinge, die das Kind noch macht und zeigt, werden wieder mit so einem aufgeblähten Lob beantwortet.

00:35:03: Aber schade ich denn jetzt, wenn ich lobe, nee, oder?

00:35:06: Und die Lösung besteht laut Brummelmann darin, dass man wirklich natürlich Kinder loben kann und bestärken kann, aber nicht so dieses... übertriebene.

00:35:15: Wenn man wirklich als Erwachsener schon selber Druck merkt oder vielleicht tatsächlich in bester Absicht, aber schon auch irgendwie manipulativ den Eindruck hat, durch dieses Lob jetzt wer weiß, was erreichen zu wollen, dann ist es wahrscheinlich zu viel.

00:35:29: Es reicht total, wenn du zu einem Bild sagst, schön.

00:35:32: Oder wenn du Interesse zeigst und sagst, zeig mal, was hast du da gemalt?

00:35:35: Welche

00:35:36: Stifte hast du benutzt?

00:35:37: Ja,

00:35:37: was ist in deine Lieblingsfarbe?

00:35:38: Zeig doch Interesse.

00:35:40: Man muss ja auch nicht immer alles so verspektaklen.

00:35:43: Und wer das übrigens nochmal nachlesen möchte, das ist unter dem Stichwort Praise Paradox bekannt und ich verlinke das unter dieser Podcastfolge.

00:35:51: Nicht, dass jetzt jemand noch Angst bekommt, zu viel zu loben, wird zitieren immer wieder ganz gerne das fünf zu eins Prinzip.

00:35:58: Das fünf zu eins Prinzip kommt aus der Forschung von Gottman.

00:36:01: Das ist ein Paarforscher oder beziehungsweise ein Paarforscher, eher Paar.

00:36:04: Und die haben festgestellt, dass es fünf positive Äußerungen, Komplimente, Lob, gute Äußerungen eben braucht, um eine negative Äußerung, eine Kritik aufzuwiegen.

00:36:14: Also wenn man jemanden fragt, wie ist das Verhältnis, dass du bekommst Lob zu Kritik, dann empfindet er das als ausgewogen, wenn er fünfmal Lob und einmal Kritik bekommen hat.

00:36:24: Wobei nicht nur explizit Lob damit gemeint, sondern überhaupt zugewandt ist.

00:36:28: Gesten, also auch Dankbarkeit, auch Höflichkeit, auch Freundlichkeit.

00:36:32: Aber es stimmt schon, auch wenn die konkrete Zahl fünf zu eins umstritten ist, aber da wollen wir uns mal nicht dran aufhängen.

00:36:39: Klar ist auf jeden Fall, dass es in stabilen Beziehungen einen abzählbaren, deutlichen Überhang geben muss an positiven Interaktionen und an einem schönen, freundlichen, warmherzigen, zugewandten Miteinander gegenüber den Momenten, wo es mal kurz knirscht, wo man einander anmeckert oder kritisiert oder komisch aufeinander reagiert.

00:37:03: Also in stabilen Partnerschaften überwiegt das positive ganz deutlich.

00:37:09: Und das sind aber eben nicht so aufgeblähte Lobhudeleien, von denen ich gerade erzählt habe, sondern es geht wirklich da eher um so Gesten, die den Partner oder der Partnerin zeigen.

00:37:22: Ich sehe dich, ich merke, was du tust, ich genieße deine Anwesenheit.

00:37:26: Ich bin dankbar für das, was du beiträgst.

00:37:28: Ich bin interessiert an dir.

00:37:30: Und das kann sich ja in tausend verschiedenen Varianten zeigen.

00:37:33: Also ein Kompliment, wie zum Beispiel du kannst sehr gut einparken, geht auch.

00:37:39: Ja, das geht auch.

00:37:42: Du bist zum Beispiel sehr witzig.

00:37:43: Dankeschön.

00:37:44: Gut.

00:37:45: Nein, aber ja, einfach dem so ein bisschen entgegenzuwirken, dass man alles für selbstverständlich nimmt und nur sich äußert, wenn man mit irgendwas unzufrieden ist.

00:37:55: Das ist eben eine Falle für das Wohlbefinden in Beziehungen.

00:38:01: Und übrigens erweitere ich dieses Konzept immer gerne auch nicht nur auf romantische Partnerschaften, sondern durchaus auch für das Zusammenleben mit Kindern und älter werdenden Kindern.

00:38:11: Wir haben das auch verdient, dass man das Verhältnis im Blick behält und die Beziehung auch stabilisiert, indem man ihnen auch mit Wertschätzung und Anerkennung begegnet, indem man Komplimente macht und so weiter.

00:38:25: gilt ganz grob auch auf der Arbeit und in der WG.

00:38:28: An der Stelle kommt immer so eine Frage, ja, aber ist das nicht auch manipulativ?

00:38:33: Wenn ich damit sich jemand gut fühlt, im Grunde nachdenke, was kann ich sagen, damit die Person sich wohl fühlt?

00:38:41: Nee, das ist nicht manipulativ in dem Sinne.

00:38:45: Manipulativ wäre, wenn du dadurch für dich etwas gezielt erreichen willst.

00:38:50: Wenn du die Person manipulieren willst, wenn du möchtest, dass dein Gegenüber ein gutes Gefühl hat, dann ist das nichts Schlimmes, das ist nicht schlecht zu bewerten.

00:38:58: Entscheidend ist, dass es durchaus immer noch authentisch ist.

00:39:01: Du sollst nicht ein Kompliment machen für etwas, was du glaubst, verdient kein Kompliment oder ist nicht gut.

00:39:06: Ja, du sollst nicht lügen, um was Nettes zu sagen, sondern du sollst deine Aufmerksamkeit schulen, dass du Dinge, die du sonst vielleicht für selbstverständlich nehmen würdest.

00:39:17: oder eben, was du eingangs auch gesagt hast, dass du denkst, ach, das weiß die andere Person doch eh.

00:39:22: Das weißt du nicht.

00:39:23: Sag halt, wenn du irgendwas Nettes bemerkst.

00:39:25: Und ich empfinde diese fünf zu eins Regel auch als überhaupt nicht manipulativ, sondern es schult meine eigene Aufmerksamkeit.

00:39:35: Ich bin dadurch besser darin geworden, wahrzunehmen, wie nett andere Menschen sind und was die alles... können und wie cool die sind und wie lustig und all das und das dann eben auch zu benennen.

00:39:49: Und ich profitiere sehr davon.

00:39:50: Danke.

00:39:52: Aber es gibt natürlich ganz klar auch Manipulation und es gibt vergiftete Komplimente und es gibt auch Menschen, die das wirklich mit einer bestimmten Agenda betreiben, andere Menschen durch Komplimente, durch Anerkennung, durch Lob, echt in die Falle zu locken sozusagen.

00:40:12: Deshalb darf man immer vorsichtig sein, wenn ein Kompliment mit einem Aber weitergeht.

00:40:17: Zum Beispiel ja.

00:40:19: Also du meinst, wenn das Lob kommt und direkt wieder eingeschränkt wird, mit zum Beispiel einer Verhaltensaufforderung?

00:40:26: Ja, es ist einfach kein gutes Kompliment, sondern dann wäre es so eine Art komplexe Kritik, wenn ich sage, das war ein toller Vortrag und du da gehalten hast, aber die Einleitung war zu lang.

00:40:37: Ja.

00:40:37: Der Höhepunkt war nicht an der richtigen Stelle gesetzt.

00:40:39: Ja.

00:40:40: Und ja, doch ein bisschen langatmig gegen Ende, wurde es auch.

00:40:43: Ja, okay, das war jetzt schon überhaupt kein Kompliment.

00:40:46: Also, das war ein toller Vortrag, aber die Einleitung war zu lang.

00:40:50: Ich denke aber auch an so Sachen, so zwischenmenschlich, wenn jemand mit Komplimenten im Grunde eigentlich seine eigene Agenda durchdrücken möchte.

00:40:57: Stichwort zum Beispiel auch Love Bombing.

00:40:59: Also wenn jemand sehr schnell, sehr... überschwänglich dich so in den Himmel hebt und dich lobt und sagst, du bist der tollste Mensch, den ich jemals getroffen habe.

00:41:11: Wir sind Seelenverwandt.

00:41:12: Wer nach drei Wochen schon, weiß ich nicht, von Heirat spricht und sagt, mit dir möchte ich Kinder haben.

00:41:18: Also alles, wo man bei anderen Menschen vielleicht denken will, ups, das geht alles ein bisschen schnell, dann kann das wirklich auch eine manipulative Strategie sein.

00:41:27: Und das kommt am Anfang extrem geballt, extrem nah auch an dem, was dir gut tut und was du hören möchtest.

00:41:35: Und später dann, wenn es sich um so eine sehr ungute Dynamik handeln sollte in dieser Beziehung, die so euphore startet und ganz viel auf Lob anerkennung und sowas basiert, dann gibt es das plötzlich nur noch in Ausnahmesituationen und nur noch, wenn du dich so verhältst, wie diese Person dich haben will.

00:41:56: Und das ist gemein, weil du bist einmal so mit diesem paradiesischen Zustand gefüttert worden, der vollumfassenden Anerkennung und dass jemand nur das Beste in dir sieht und dich ganz, ganz toll findet.

00:42:07: und dann wird das aber nach und nach zurückgefahren und an immer mehr Bedingungen geknüpft.

00:42:12: Und du hast aber irgendwie ja diese Erfahrung mal gemacht, wie schön die Beziehung sein könnte.

00:42:17: und dann fängst du an, dich anzustrengen, dich zu verändern, irgendwie so zu sein, dass du das wieder bekommst.

00:42:25: Und das ist dann natürlich klar hochgradig manipulativ.

00:42:30: Jetzt haben wir so viel darüber gesprochen, wie kritisch Lob zu betrachten ist oder sein kann.

00:42:35: Ja, nee, warte, aber das kann ich gerne noch mal einfangen.

00:42:38: Also kritisch betrachtet haben wir jetzt das Explizit manipulative Loben und Komplimentieren, was Menschen nutzen, um dich in ungute Dynamiken reinzuziehen.

00:42:49: Da würde ich einfach ein bisschen Vorsicht walten lassen, weil Dinge, die zu gut klingen, um wahr zu sein, sind häufig nicht wahr.

00:42:56: Und dann hatte ich vor aufgeblähtem Lob gewarnt, also dieses überüberschwängliche, zu dem paradoxerweise Erwachsene manchmal neigen, weil sie denken, das hilft unsicheren Menschen und das tut es halt nicht.

00:43:07: Normales Lob ist gut, normale Komplimente sind gut, aber diese aufgeblähten, die können eine Schwierigkeit darstellen.

00:43:16: Und dann hatten wir noch von dem Korumpierungseffekt gesprochen, d.h.

00:43:20: Menschen für etwas zu belohnen, was sie ohnehin gerne tun.

00:43:23: Das ist keine gute Idee.

00:43:25: So, das sind die Momente, wo wir natürlich aus therapeutischer Sicht auch mal Licht drauf werfen müssen, aber ganz allgemein gesagt, aktivieren Komplimente das Belohnungssystem.

00:43:37: Und zwar von beiden, von dem, der ein Kompliment bekommt und von dem, der das Kompliment gibt.

00:43:42: Das stärkt unsere Beziehungen, es fördert die Motivation, Es fördert das Wohlbefinden, es hilft Menschen, Selbstwirksamkeit aufzubauen, es hilft Menschen, Herausforderungen anzunehmen.

00:43:53: Und das sind schon alles ganz gute Gründe, durchaus freundlicher miteinander zu sein und was Nettes zu sagen.

00:44:00: Und wir können ja jetzt vielleicht nochmal sagen, wie jetzt ein gutes Kompliment eigentlich geht.

00:44:04: Einen, na sagen wir mal, neutralen Tipp hab ich übrigens noch.

00:44:08: Wenn in einer Beziehung einer sehr viel mehr Komplimente macht oder lobt als der andere, dann könnte das Da kann man kurz drüber nachdenken, daran liegen, dass er sowas wie mit gutem Beispiel vorangehen will, dass er sich in Wirklichkeit oder sie in Wirklichkeit sich selbst wünscht, mehr Komplimente, mehr Lob zu bekommen.

00:44:27: Ja, kann ja sein.

00:44:29: Aber fassend ist es zusammen.

00:44:30: Wie macht man ein gutes Kompliment, wie lobt man richtig?

00:44:34: Also erstens ist idealerweise das Kompliment authentisch.

00:44:38: Unser Gehirn hat einen Bullshit-Detektor und es sollte schon etwas sein, was uns authentisch positiv aufgefallen ist.

00:44:46: Und keine Ausreden, man findet etwas, wenn man gut sucht.

00:44:49: Das Zweite ist, spezifisch sein.

00:44:51: Nicht, du bist der Beste, sondern eher, wie du mit dieser Situation umgegangen bist, fand ich klasse.

00:44:57: Oder das hast du hervorragend strukturiert.

00:45:00: Oder von mir aus sogar, ich mag diese Schuhe, die du da anhast, sehr gerne.

00:45:04: Dann ist es immer gut, wenn man das... Konkrete und spezifische Verhalten einer Person hervorhebt und nicht sozusagen die Person als Ganzes.

00:45:14: Also das war das Beispiel mit dem, du hast dir ganz viel Mühe gegeben im Vergleich zu, du bist so schlau.

00:45:19: Ja, das hätte auch bei dir funktioniert, wo du rot geworden bist, weil es mit deiner gefühlt Identität nicht übereingestimmt hat.

00:45:25: Wenn man dich für deine Tat als solches gelobt hätte, wäre es vielleicht besser gewesen.

00:45:29: Ja, kann schon sein.

00:45:31: Ein nächster Tipp ist, das Kompliment zeitnah zu machen.

00:45:34: Also dann... Wenn es entsteht, Komplimente funktionieren auch noch Jahre später theoretisch, haben aber nicht mehr den gleichen positiven Effekt.

00:45:42: Ja, und dann möchte ich noch was sagen, weil das tatsächlich ab und zu bei mir so ankommt, so, ja, man darf ja gar nichts mehr sagen, Aussehen bewerten und so.

00:45:52: Die jungen Freulands möchten gar keine Komplimente hören.

00:45:56: Und ich finde das schön, wenn man sich merkt, man kann die Wirkung einer Person komplementieren.

00:46:03: aber halt nicht den Körper und nicht das Aussehen.

00:46:06: Also du kannst eine Person eine Freude machen, wenn du sie wissen lässt, wie du dich in ihrer Gegenwart fühlst oder was du von ihr gelernt hast.

00:46:14: Also zum Beispiel, ich weiß das sehr zu schätzen, dass du so aufmerksam zuhörst.

00:46:20: Das spreche mit dir unglaublich angenehm.

00:46:22: Ja, okay, super.

00:46:23: Ja, damit habe ich die Wirkung dieser Person auf mich konkret benannt.

00:46:27: Ich brauche dabei kein Wort über irgendwas wie Äußerlichkeiten verlieren.

00:46:32: Wenn man einen Kompliment zum Äußeren machen will, dann eignet sich Kleidung durchaus oder der Geschmack oder der Stil.

00:46:37: Du hast einen guten Geschmack, dieser Stil gefällt mir, mir gefallen die Schuhe, das Kleid, das geht dann eher in Ordnung.

00:46:43: Und es wird dir leichter fallen, Komplimente zu geben, wenn du selber gelernt hast, Komplimente gut anzunehmen.

00:46:49: Das kann man gut üben.

00:46:50: Und eigentlich ist es auch nicht so schwer, nach außen hin zumindest braucht man nur Lächeln und Danke sagen.

00:46:57: Ich möchte nochmal zu Bedenken geben.

00:46:59: Ich weiß nicht, ob die Zahlen so stimmen, aber ich habe mal gelesen, dass unzufriedene Restaurantbesucher zehnmal häufiger ihren Unmutkund tun als zufriedene Besucher des gleichen Restaurants.

00:47:13: Und das führt manchmal zu einer total unausgewogenen Darstellung und wir leben nach meinem Gefühl in so einer Bewertungs- und vor allen Dingen auch Kritikkultur.

00:47:23: Überall

00:47:24: wird man aufgefordert, alles Mögliche zu bewerten.

00:47:27: Das gehe ich in jeder Hinsicht mit.

00:47:29: Also, seid freundlich zueinander, macht euch ehrliche Komplimente.

00:47:33: Wir freuen uns wie immer, wenn wir über Instagram in Kontakt bleiben, aber auch wenn ihr uns, wenn ihr habt, eine kurze Frage auf unseren neuen Anrufbeantworter sprecht.

00:47:43: Ab nächster Woche gibt's in der Community den Fragenfreitag und bisher sind schon ein paar sehr interessante Fragen reingekommen und wir freuen uns natürlich aber über immer mehr.

00:47:54: Wir sagen danke fürs Zuhören, danke für das Interesse und sehr gerne schaltet doch am nächsten Sonntag wieder ein.

00:48:00: Tschüss!

00:48:12: Das war's für heute.

00:48:14: Ich hoffe, du konntest eine Menge frischer

00:48:15: Gedanken für dich mitnehmen.

00:48:19: Mehr davon

00:48:19: gibt's auch auf meiner Seite www.franca-gerouti.de

00:48:27: Und

00:48:28: natürlich nächste Woche wieder hier.

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