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Identitätsdiebstahl, Cyberstalking, Catfishing und Gewalt im Netz: Was steckt dahinter?

Shownotes

Was steckt psychologisch hinter Identitätsdiebstahl, Cyberstalking und Catfishing? Warum tut jemand so etwas, dutzenden Menschen an, teilweise über Jahre? Und warum hat die Psychologie darauf noch keine befriedigende Antwort? In dieser Folge schaut sich Franca anhand eines strafrechtlich abgeschlossenen Falls aus Großbritannien an, was die Forschung über dieses Täterverhalten weiß, wo sie an ihre Grenzen stößt, und warum Begriffe wie "Fetisch" oder "Obsession" als Erklärung nicht taugen. Sie geht durch, was hinter den gängigen Erklärungsversuchen steckt, von Rache über Frauenhass bis Narzissmus, und warum die Wahrheit vermutlich banaler und gleichzeitig beunruhigender ist, als wir denken. Inhaltswarnung: In dieser Folge geht es um sexualisierte digitale Gewalt, Stalking und psychische Gewalt. Nicht geeignet für jüngere Zuhörerinnen und Zuhörer.

Anlaufstellen: HateAid – Beratung bei digitaler Gewalt: https://hateaid.org/betroffenenberatung/ Weißer Ring – Online-Beratung: https://weisser-ring.de/onlineberatung

Doku / Podcast "Can I tell you a secret?" (The Guardian / Netflix)

Studien: Weekes, C.J., Storey, J.E. & Pina, A. (2025). Cyberstalking Perpetrators and Their Methods: A Systematic Literature Review. Trauma, Violence, & Abuse. PDF (Open Access via University of Kent): https://kar.kent.ac.uk/109765/1/weekes-et-al-2025-cyberstalking-perpetrators-and-their-methods-a-systematic-literature-review%20(1).pdf Ryan, S. & Taylor, J. (2024). An exploration of the motivations of catfish perpetrators and the emotions and feelings expressed by catfish victims. Discover Data, 2(6). PDF (Open Access via Springer): https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s44248-024-00011-5.pdf Mullen, P.E., Pathé, M., Purcell, R. & Stuart, G.W. (1999). Study of Stalkers. American Journal of Psychiatry, 156(8), 1244–1249. PDF (Open Access via AJP): https://ajp.psychiatryonline.org/doi/pdf/10.1176/ajp.156.8.1244

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Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode Psychologie To Go.

00:00:05: Das ist dein Podcast für hilfreiche Gedanken und Impulse direkt aus meiner psychotherapeutischen Praxis.

00:00:12: Hallo, danke fürs Einschalten!

00:00:15: Bevor es heute richtig mit dem Thema losgeht möchte ich gerne vorab zwei Dinge loswerden die wichtig sind.

00:00:22: das eine ist eine Inhaltswarnung also solltest du diesen Podcast gerne zum Frühstück hören oder im Auto mit deinen Kids, dann möchte ich dich gerne darauf aufmerksam machen dass das heute eventuell kein geeignetes Thema für jüngere Öhrchen ist.

00:00:40: Ich spreche heute über Gewalt im digitalen Raum.

00:00:43: es geht um Identitätsdiebstahl Es geht um Cyber-Stalking und ich werde auch einen konkreten Fall vorbringen.

00:00:54: Erstens, zudem passt was du aktuell gerne hören magst und gut verkraftest.

00:01:00: Und prüf bitte auch ob das jetzt vielleicht der Moment ist auf Kopfhörer umzusteigen!

00:01:05: Und das zweite –was mir genauso wichtig ist– ich bekomme aktuell ganz viele Nachrichten, ob ich ausgegebenen Anlass mal etwas zum Thema digitale Gewalt machen kann über sexuelle Gewalt im digitalen Raum?

00:01:20: Das mache ich.

00:01:21: allerdings werde ich mich auf einen Fall beziehen, der strafrechtlich gut dokumentiert und bereits abgeschlossen ist.

00:01:28: Mein Name ist Franka Chirouti – Ich bin Psychotherapeuten genauer gesagt Verhaltenstherapäutin Und was ich heute gemeinsam mit euch versuche, ist ehrlicherweise eine Annäherung an ein Thema das noch ziemlich neu ist.

00:01:43: Wir reden über Phänomene die so neu sind Und zumindest auch in diesem Ausmaß, dass sie inzwischen erreichen und in dieser technologischen Dimension das die Forschung – und übrigens auch die Strafverfolgung – diesen entsprechenden Tätern noch meilenweit hinterherrennt.

00:02:01: Also wir reden über Gewalt!

00:02:03: Wir reden über Tatbestände, die unglaublich schädigend für die Opfer sind, die einen nachhaltigen Effekt auf ihr ganzes Leben haben können aber über diese spezielle Art von Täterverhalten wissen wir einfach noch recht wenig.

00:02:19: Und wenn ich in der heutigen Podcast-Folge versuchen möchte, ein Schlaglicht darauf zu werfen was solche Täter umtreibt und warum zur Hölle Menschen so etwas tun dann soll das gar keinesfalls als Entschuldigung herangezogen werden.

00:02:39: eine Erklärung ist keine Entschuligung.

00:02:42: Das sind zwei völlig verschiedene Dinge und ich möchte auch nicht, dass mein Versuch eine bestimmte Art von Täterverhalten zu erklären als eine Art Relativierung gelesen wird.

00:02:55: Eher im Gegenteil – ich glaube je besser wir darin werden – bestimmte psychische Mechanismen zu erkennen die da am Werk sind und welche Eskalationsstufen wir vielleicht auch erkennen können, desto eher können wir auch was dagegen tun.

00:03:10: Und je informierter wir sind über bestimmte Dinge, die nun mal in unserer geteilten digitalen Welt vorkommen – desto schneller können wir vielleicht erstens Schritte unternehmen in Richtung Prävention und zweitens auch in Richtung Strafverfolgung.

00:03:29: Und zwar, von ungefähr zwei tausendneun, da war er noch Schüler bis ins Jahr zwanzig-einundzwanzig hinein wenigstens zweiundsechzig Frauen im Internet verfolgt belästigt und deren Leben teilweise komplett zerstört.

00:03:58: Und ich sage es sind wenigstenzweiundsechszig Frauen weil das die Fälle sind, die dokumentiert sind.

00:04:05: Es ist gut möglich dass die Dunkelziffer deutlich höher liegen mag.

00:04:10: Was er gemacht hat, war hunderte von Fake-Profilen zu erstellen, manche davon im Namen seiner Opfer – also er ist in deren Rolle geschlüpft und hat sich für sie ausgegeben.

00:04:23: Er hat aber auch Fake-Profile im Namen von Freunden oder Familienangehörigen der Opfer erstellt und dann hat er mit diesen ganzen Fake- Profilen systematisch Chaos und Zerstörung angerichtet.

00:04:38: Und es ging ebenso weit, dass er reihenweise Beziehungen zerstört hat in dem er Partnerin oder Partner seiner Opfer angeschrieben hat, das die andere Person angeblich fremdgehen würde.

00:04:51: Er hat Lügen und Gerüchte verbreitet.

00:04:57: den Vorgesetzten einer Betroffenen angeschrieben und eine digitale, sexuelle Beziehung mit demjenigen gepflegt.

00:05:04: Er hat sich in den Besitz von intimem Fotos gebracht und mit diesen intimen Fotos Kontakte geknüpft zum engsten Umfeld der betroffenen Opfer.

00:05:15: Also er hat das soziale Umfeld seiner Opfer gegeneinander aufgehetzt, er hat die betroffenenen Frauen isoliert.

00:05:24: Er hat dafür gesorgt, dass ihm keiner glaubt.

00:05:26: Dass Freundschaften und Familienverhältnisse zerbrochen sind.

00:05:29: Und das obwohl er in den meisten Fällen diese Frauen nicht persönlich kannte.

00:05:34: Die wussten teilweise jahrelang nicht wer ihnen das antut.

00:05:38: Ja und der Teil der mich daran echt fassungslos macht.

00:05:41: Ich hatte ja schon gesagt wir haben wenigstens zweiundsechzig Opfer.

00:05:45: Wir haben unfassbares Leid bei jedem einzelnen dieser Opfer und es gab über hundert Beschwerden, über Matthew Hardy bei der Polizei in Cheshire.

00:05:58: Und er wurde zehnmal verhaftet – und er hat trotzdem immer wieder weitergemacht!

00:06:04: Weil die Konsequenzen jeweils so gering waren, dass sie ihn überhaupt nicht beeindruckt oder daran gehindert haben genau so weiterzumachen.

00:06:13: Er hatte mal eine kleine Bewährungsstrafe, mal ne Unterlassungsanordnung.

00:06:17: Einmal hat er Sozialstunden bekommen und jeweils nachweislich direkt am nächsten Tag die nächsten Fake-Accounts erstellt.

00:06:27: Und den Opfern dahingegen wurde gesagt, sie sollen halt offline gehen – sie sollen ihn halt blockieren!

00:06:33: Und das weiß jeder, der mit dem Thema schon mal zu tun hatte.

00:06:36: Das greift halt viel zu kurz!

00:06:38: Also erstens man kann sich nicht verstecken vor jemandem, der einfach den nächsten Account aufmacht und zweitens ist das ja genau der Punkt, den wir unbedingt diskutieren müssen.

00:06:48: es ist nicht damit getan dass man den Opfern einfach das Signal gibt, ja dann entfernt du dich doch aus dem digitalen Raum.

00:06:56: Dann macht du dich unsichtbar und unangreifbar insbesondere wenn es sich bei den betroffenen Personen um welche handelt die in der Öffentlichkeit stehen wo es Teil des Berufes sind weil sie zum Beispiel Model oder Schauspielerin oder Moderatorin.

00:07:13: Opfer von Matthew Hardy hatten teilweise eine Karriere gestartet, die klar beinhaltete dass sie auch Social Media machen und ich finde das so eine Unverschämtheit dann einfach den Opfern die Verantwortung zuzuschieben bitte für ihren eigenen Schutz zu sorgen.

00:07:29: Zumal Wie in dem Fall von Matthew Hardy, wenn es mehrere Hinweise auf diesen konkreten Täter gibt und da sind ganz große Lücken aufzuarbeiten.

00:07:37: Sowohl was die Gesetze angeht also was wirklich strafrechtlich relevant ist aber noch mehr müssen wir aufarbeiten finde ich in der Denke!

00:07:46: Also wie Menschen tatsächlich darauf reagieren?

00:07:50: Nämlich manchmal mit so einem Schulterzuckenden ja da ist sie doch selber schuld.

00:07:55: Und zum Beispiel im Fall einer Frau, wo Matthew Hardy sich intimer Fotos bemächtigt hat.

00:08:00: Dann im Grunde sie dafür verantwortlich zu machen weil ja diese Bilder existieren von ihr also ist quasi sie schuld anstatt den Mann zu verurteilen, der mit diesen Fotos ekelhafte Sachen macht.

00:08:16: Das ist eine klassische Täter-Opferumkehr – so geht es nicht.

00:08:20: und jeder Mensch hat das Recht von sich selbst Fotos zu machen wie er oder sie möchte genauso wie jede Person sich kleiden darf, wie sie möchte.

00:08:30: nichts davon gibt dadurch automatisch einer anderen Person das Recht damit dann halt auch eben zu machen was sie will!

00:08:38: So funktioniert das eben nicht.

00:08:41: Nur um jetzt noch mal so die Chronologie des Versagens, sage ich jetzt mal, des Justizsystems in Großbritannien – in diesem Fall nochmal ein bisschen zu verdeutlichen.

00:08:51: Also, im Jahr two-tosend elf hat Hardy sich schon schuldig bekannt das Facebook-Konto einer ehemaligen Mitschülerin gehackt zu haben und sich als sie ausgegeben zu haben.

00:09:04: Was darauf passiert ist, dass er eine Unterlassungsanordnung bekommen hat.

00:09:08: Eine Bewährungsstrafe und zweihundertfünfzig Sozialstunden.

00:09:12: Zweihtausenddreizien – genau das gleiche!

00:09:14: Erneut hatte er eine Mitschülerin gehackt, schwer belästigt in seine ganzen Manipulationen- und Rollenspiele hineingezogen und wieder gab es eine Bewährungsstrafe mit einer Unterlassungsanordnung.

00:09:27: Und so hat sich das über Jahre hingezogen.

00:09:31: In den letzten Jahren hat dann ein Polizeibeamter sich endlich mal einen Herz gefasst, inzwischen war Matthew Hardy tatsächlich auch am Telefon offen bedrohlich.

00:09:40: er hat manche Frauen fünfzigmal am Tag angerufen.

00:09:43: Mehrere Opfer sind zur Polizei gegangen und haben jeweils seinen Namen genannt und als dann im Jahr zwei Tausend neunzehn dieser Polizei Beamte sich die Akte anschaut ist erfassungslos über das Aros Maas denn es sind ja Dinge aktenkundig.

00:09:54: und dass ganz große Glück im Grunde in diesem ganzen Drama von Glück zu sprechen.

00:10:00: Ehrlich gesagt schwierig, aber sagen wir mal der hilfreiche Wendepunkt kam als eine Frau von Matthew Hardy in dieser Form verwickelt wurde.

00:10:09: In seinen Cyber-Stalking.

00:10:11: und das ist Lia und sie ist Rechtsanwaltsgehilfin!

00:10:15: Und sie hat wirklich wie sie es in ihrem Beruf gelernt hat alle Interaktionen mit Hardy über ihre Social Media Accounts gescreenshotet Und dann richtig ordentlich in Tabellen eingetragen und farblich markiert, usw.

00:10:31: und das war eine Akte mit siebenhundert Seiten!

00:10:35: Ich finde, das macht nochmal das Ausmaß deutlich weil Lia war ja nur eins von zweiundsechzig Opfern und allein ihre Akte hat sieben hundert Seiten mit wirklich ekelhaften Interaktionen absolut demütigenden und schädigenden Manipulationen beinhaltet.

00:10:55: und da konnte jetzt dann die Polizei auch nicht mehr dran vorbeigucken, weil eben in diesem Fall das Opfer selbst eine so klare Beweisführung übernommen hat.

00:11:05: Aber nochmal – Das ist nicht richtig!

00:11:07: Das ist in meinen Augen nicht richtig, dass auch dafür die Verantwortung offensichtlich bei den Opfern liegt.

00:11:14: Im Februar zwanzigzwanzig wurde Matthew Hardy verhaftet und im Oktober einundzwanziger hatte sich schuldig bekannt, und er wurde tatsächlich – und das finde ich jetzt ein bisschen ja fast schon überraschen nach den ganzen vorangegangenen kleinen Klappsen die er aufs Fötchen bekommen hat.

00:11:30: Da ist er dann doch zu neun Jahren Haft verurteilt worden!

00:11:34: Und dass es die längste Strafe, die in UK je für Cyber-Stalking verhängt wurde.

00:11:40: Also das schiere Ausmaß an Leid, das er verursacht hat.

00:11:45: Über mehr als ein Jahrzehnt hat dann nach einer langen Zeit der Untätigkeit vonseiten der Strafverfolgungsbehörden dann doch zu einem Urteil geführt, neun Jahre.

00:11:56: Nur eine winzige nicht mal einstellige Prozentzahl an Stalking-Tätern erhalten überhaupt einen Haftstrafe und auch wenn das jetzt ein bisschen zynisch klingt es braucht anscheinend eben elf Jahre Tatzeit und sechzig zerstörte Leben damit dann doch einmal durchgegriffen wird.

00:12:17: Wenn du mehr über diesen Fall wissen möchtest, es gibt dazu von The Guardian einen Podcast der heißt Cannot Tell You A Secret und den hat die Journalistin Sharon Cale aufgearbeitet.

00:12:29: Und dann gibt es auch noch eine Netflix-Dokumentation mit dem gleichen Titel Cannot tell you a secret weil das so ein Aufhänger war mit dem Matthew Hardy sich Menschen in Verbindung gebracht hat und dann immer gesagt, darf ich dir ein Geheimnis verraten?

00:12:42: Manchmal ist er auch in die Rollen von Frauen geschlüpft.

00:12:45: Und hat dann anderen Frauen geschrieben so hey babe!

00:12:48: Ich muss dir ein geheimnes Verraten und hat da eben ganz große Verwüstung in den Beziehungen

00:12:54: angerichtet.".

00:12:55: Also Cannot Tell Your Secret ist ein Podcast oder eine Netflix-Serie und da kann man sich noch mal vor allen Dingen die Perspektive der Betroffenen erzählen lassen.

00:13:04: Und ganz wichtig, Hardy ist dann nicht irgendwie der Star der Geschichte sondern es geht tatsächlich um die Schicksale einzelner seiner Opfer, die bereit sind zu sprechen.

00:13:18: zur Hölle geht in diesen Menschen denn bitte vor, möchte ich auch noch kurz bei den Betroffenen bleiben.

00:13:24: Also das soll auf keinen Fall untergehen!

00:13:26: Die Frauen die Hardy ins Visier genommen hatte haben Terror erlebt – das kann man gar nicht anders sagen.

00:13:33: also einige haben ihre Jobs verloren, ihre Beziehungen, ihre Freundschaften, ihre Familie….

00:13:39: Nicht wenige haben Depression und Angststörungen entwickelt weil sie sich permanent beobachtet verfolgt unsicher gefühlt haben und ihr komplettes Sicherheitsgefühl, ihr selbst vertrauen.

00:13:54: Aber auch das Vertrauen in andere Menschen ist komplett zerstört worden.

00:13:59: Und ich kann es gar nicht genug unterstreichen was das auch aus psychotherapeutischer Sicht bedeutet.

00:14:03: also gerade Vertrauen und Selbstvertrauen und auch Vertrauen die Menschen in meinem Umfeld ist so so wichtig kann man gar nicht genug unterstreichen, welchen Schaden Täter genau an diesem Punkt anrichten der unglaublich schwer zu reparieren ist.

00:14:22: Wenn überhaupt!

00:14:23: Also die Opfer fühlen sich psychisch zerstört und in ihren Fundamenten erschüttert und ganz oft kommt auch noch eine tiefe Scham dazu.

00:14:33: also Scham, weil das Umfeld auch teilweise mit Beschälmung reagiert.

00:14:38: Also wie gesagt nach dem Motto ja also wenn da Nacktbilder von dir kursieren warum hast du dich denn nackt fotografieren lassen?

00:14:45: oder Ja gut ne?

00:14:46: Du bist aber eben auch öffentlich sichtbar.

00:14:49: Da musst jetzt auch ein bisschen mit rechnen.

00:14:51: und diese Scham Und auch manchmal das Gefühl es vielleicht doch irgendwie verdient zu haben Oder selber begünstigt zu haben wirkt sich auch darauf aus ob und wie Opfer sich überhaupt trauen davon zu sprechen.

00:15:03: Und ich hatte schon gesagt, Matthew Hardy hatte wenigstens zweiundsechzig Opfer.

00:15:07: Es könnten aber wesentlich mehr sein!

00:15:10: Seit Giselle Pelico hören wir den Satz immer wieder – Die Scham muss die Seite wechseln.

00:15:16: Nicht das Opfer solcher Taten muss sich schämen, sondern die Täter sollten sich schähmen.

00:15:22: und Ganz wichtig, dass wir diese Diskussion jetzt endlich auch mal öffentlich haben und dadurch hoffentlich auch ganz vielen Opfern Mut geben diesen sehr schweren Schritt zu gehen an die Öffentlichkeit zu gehen.

00:15:37: Zu berichten was ihnen widerfahren ist und auch Anzeige zu erstatten.

00:15:41: aber ich sage gleichzeitig auch das empfehle ich wiederum nicht jeder Person weil was dann passieren kann ist eben dass es immer wieder Menschen gibt die einen genau dafür beschämen oder Argumentieren, wie warum machst du das jetzt öffentlich?

00:15:55: Du zerstörst doch damit das Leben des Täters.

00:15:59: Wie lustig!

00:15:59: Also wäre auch das die Verantwortung des Opfers.

00:16:01: Jetzt bitte noch das gemütliche schöne Leben des Täter zu schützen.

00:16:04: also da läuft sehr vieles seit Ewigkeiten sehr falsch und es wird Zeit dass sich was ändert.

00:16:12: aber nochmal in der eins-zu-eins Psychotherapie erlebe ich auch Menschen die klar nicht in der Verfassung sind und nicht die Kraft haben diesen Kampf durchzustehen und auch das respektieren.

00:16:24: Ich fände es nur ganz wichtig, dass wir als gesamte Gesellschaft es opfern leichter machen würden überhaupt über das zu sprechen was ihnen widerfahren ist.

00:16:32: ich würde gerne wenn man sich jetzt anschaut was Matthew Hardy getan hat mal ein paar Begriffe einsortieren die man jetzt aktuell häufiger hört und die wir auch aus der Psychologie und auch aus den juristischen Debatte kennen und daran merkt man aber eben auch dass das alles gar nicht so einfach ist.

00:16:49: Also was Matthew Hardy gemacht hat, war Identitätsdiebstahl.

00:16:53: Was bedeutet das?

00:16:55: Jemand nimmt im Netz die Identität einer anderen Person an und handelt in deren Namen.

00:17:01: Und das kann zum Beispiel finanziell motiviert sein.

00:17:04: wenn zb.

00:17:04: jemand deine Kreditkarte klaut und die dazugehörigen Daten und dann damit einkauft Dann ist es auch Identitäztiebstahl.

00:17:13: aber bei Hardy war das natürlich etwas ganz anderes weil er hat die Identitet der Opfer übernommen.

00:17:18: zum Beispiel eine junge Frau namens Abby war dabei und hat im Namen von Abby mit Menschen kommuniziert, Beziehungen angewandelt.

00:17:27: Sehr stark sexuell konnotierte Kommunikation gehabt, Lügen verbreitet – und das heißt in diesem Fall ging es bei dem Identitätsdiebstahl um die soziale Manipulation und die Macht, die darin liegt Menschen, echte Menschen wie Marionetten gegeneinander auszuspielen und natürlich je nachdem auch zu demütigen, zu entwürdigen oder in ganz schlimme Situationen zu bringen.

00:17:54: Zum Beispiel Abby und ihren Chef und der Chef war der Meinung sie hätten eine heimliche digitale sexuelle Beziehung was natürlich nie der Fall war und Abby konnte da natürlich nicht weiter arbeiten und das war eben das worin für ihn der Reiz lag im Hinblick auf den Identitätsdiebstahl.

00:18:12: Dann gibt es im Begriff Cyber-Stalking.

00:18:14: Das bedeutet, dass jemand wiederholt ungewollt mit digitaler Technologie ausspioniert wird und das zentrale Moment ist eben dabei, dass das Opfer Angst erlebt und einen Kontrollverlust erlebt.

00:18:29: Also Hardy hat seine Opfer über lange Zeiträume digital verfolgt und belästigt.

00:18:34: Und hat sie auch immer wissen lassen, dass er weiß wo Sie sind was Sie machen, was Sie vorhaben welche Kleidung Sie heute tragen.

00:18:43: Das kann man sich ja vorstellen das das unfassbare Angst auslöst wenn man gar nicht weiß wer dahinter steckt und der dann aber schreibt Du hast heute ein schönes blaues Shirt an.

00:18:51: also das meine ich mit das geht einem wirklich an die Grundfesten.

00:18:55: da wird jedes Sicherheitserleben vollkommen irritiert.

00:18:59: Und das geht über das klassische Stalking, was absolut schon schlimm genug ist.

00:19:03: Darüber habe ich übrigens auch schon mal eine Podcast-Folge gemacht.

00:19:06: Also das digitale Stocking geht eben über das analoge, klassische Stocking hinaus weil er ja nicht nur online ausspioniert hat, was jemand macht oder die Person beobachtet hat sondern ja wie gesagt auch noch Beziehungen aufgebaut hat und das gesamte soziale Netzwerk infiltriert und letztlich vergiftet hat.

00:19:25: Und dann gibt es noch den Begriff Catfishing.

00:19:27: Das ist auch ein relativ neuer Begriff und der beschreibt, dass jemand im Internet eine falsche Identität annimmt um eine Beziehung zu einer anderen Person aufzubauen häufig eine romantische Liebesbeziehung oder eine sexuell konnotierte Beziehungen zu inszenieren.

00:19:45: Es ist häufig so das die Täter da in dieser digitalen Fake-Beziehung auch ein anderes Geschlecht annehmen.

00:19:52: Also Matthew Hardy ist ja zum Beispiel in die Rolle seiner weiblichen Opfer gegangen, also beim Catfishing geht es um so eine Art Rollenspiel.

00:20:00: Manchmal machen Menschen das klar in einer Betrugsabsicht, also um finanzielle Gewinne irgendwie daraus zu generieren.

00:20:07: aber ganz oft geht es auch darum eben Chaos zu stiften oder einen speziellen Impact, also eine spezielle Wirkung zu entfalten.

00:20:16: Manchmal geht es darum dass man vermeintlich bedeutsame Interaktionen zwischen Menschen stiftet und eben auch eine Lust daraus zu ziehen das die ja keine Ahnung haben wer in echt dahinter steckt.

00:20:32: Das ist Catfishing!

00:20:33: Und bei all dem erleben wir was was wir heute als digitale Enthemmung benennen müssen.

00:20:40: Also dieser Online-Disinhibition Effekt, das ist ein Konzept, das schon vor zwanzig Jahren beschrieben wurde und das erklärt dass Menschen online Dinge tun die sie im direkten Kontakt niemals tun würden.

00:20:53: Und das liegt einfach daran, dass die Anonymität, die ja immer noch dadurch gewährleistet ist, dass man sich zum Beispiel in vielen Social-Media Kanälen nicht mit einem Klarnamen anmelden muss und dass man keine Daten hinterlegen muss – also diese Anonymität aber auch die Distanz und auch die Asynchronität der Kommunikation all das zusammen senkt ganz klar die Hemmschwelle!

00:21:17: Und bei Hardy war es eben so, dass er buchstäblich in seinem Kinderzimmer gesessen hat.

00:21:21: Also er hat schon als Schüler damit angefangen und hat von da aus Dozenten von Menschenleben zerstört und musste ja nie einem seiner Opfer wirklich mal in die Augen schauen.

00:21:34: Es gibt eine Forschung dazu, die mich wirklich ehrlich gesagt ein bisschen beunruhigt – und zwar scheinen Menschen wenn sie online sich falsch verhalten oder andere täuschen das gar nicht so unangenehm zu finden, wie wenn man jemandem ins Gesicht lügen muss.

00:21:51: Und ich kann das nachvollziehen.

00:21:53: also jemandem wirklich kalt in die Augen zu gucken und den direkt anzulügen und irgendetwas vorzutäuschen was nicht ist oder falsche Geschichten zu erzählen fällt zum Glück den meisten Leuten relativ schwer.

00:22:08: aber Online-Täuschung einfach zu behaupten dass man gar nicht zwanzig ist sondern fünfzig gar keine Frau ist, sondern ein Mann.

00:22:17: Das fällt vielen Leuten eben nicht nur leicht, sondern sie finden es auch unterhaltsam.

00:22:23: Witzig!

00:22:24: Da fehlt irgendwie das innere Korrektiv, da fehlt das Störgefühl und das finde ich echt ein bisschen erschreckend.

00:22:32: Die Opfer werden irgendwie als weniger real wahrgenommen also wie als wären es virtuelle Figürchen, Marionettenpüppchen mit denen man so spielen kann Und deshalb haben die Täter häufig auch kaum ein schlechtes Gewissen und begehen über Jahre so grauenhafte Taten unter denen natürlich echte Menschen leiden, aber sie zerbrechen da nicht dran.

00:22:58: Die haben teilweise noch nicht mal sowas wie ein schlechtem Gewissen.

00:23:03: Ich hatte schon gesagt Matthew Hardy hat sich in den Besitz von echten Fotos gebracht also auch Übertäuschungsmanöver Fake-Accounts und er hat sich für eine andere Person ausgegeben, und ist so an intime Fotos gekommen.

00:23:18: Heutzutage geht das ganz einfach über künstliche Intelligenz Deepfakes zu erzeugen.

00:23:25: Also Bilder werden einfach generiert oder manipuliert.

00:23:28: Es werden Bild-und Tonaufnahmen erzeugt die dann der echten Personen zugeschrieben werden Und auch täuschend echt aussehen!

00:23:34: Und das potenziert natürlich nochmal Die schwere von digitaler Gewalt ohne weiteres möglich ist.

00:23:44: Also wenn jemand nicht nur in deinem Namen schreibt, sondern auch in deinim Namen als du telefoniert oder als du täuschend echte Bilder und Videos erstellt die wirklich aussehen – als wärst Du das?

00:24:02: Dann ist es noch eine andere Qualität an Grenzüberschreitung, zu der HD technisch noch gar nicht in der Lage war.

00:24:10: Aber das ist es womit wir's halt jetzt zu tun haben und dann gehts halt nicht mehr um deinen Namen oder ein soziales Netzwerk sondern dann geht es auch um dein Körper, um dein Intimstes, um deine absolute Privatheit!

00:24:25: Und das macht auch nochmal mit dem Schamgefühl der Betroffenen was ganz anderes.

00:24:30: Das is wirklich unfassbar schlimm.

00:24:33: Und das Problem, dass wir jetzt haben wenn wir diese ganzen Aspekte uns angucken und das ist auch der Grund warum ich das so dargestellt habe.

00:24:41: Dass diese verschiedenen Phänomene also Cyber-Stalking, Catfishing, Identitätsdiebstahl, Deep Fakes, das wird häufig in der ja sowieso noch sehr jungen Forschung recht isoliert betrachtet.

00:24:56: Wir sehen aber bei Matthew Hardy und anderen ähnlichen Fällen, dass das in Wirklichkeit sehr fließend ineinander übergeht.

00:25:03: Also ist jetzt der Täter ein Stalker oder ist er ein Kettfischer?

00:25:07: Oder betreibt er Identitätsdiebstahl?

00:25:09: Naja, manchmal eben alles davon!

00:25:12: Das sind sich mischende Verhaltensweisen sozusagen – und das Gesamte ist dann mehr als die Summe seiner Teile.

00:25:18: Und wir müssen uns eben dieses Gesamtsystem anschauen….

00:25:22: …und dazu gibt es bisher zumindest nach meiner Kenntnis, überhaupt noch keine umfassende Forschung.

00:25:28: Ich habe mir trotzdem Mühe gegeben ein paar Fragen zu beantworten die sich einem ja quasi aufdrängen wenn man mit so einem Fall konfrontiert ist nämlich im Grunde warum tut so einen Mensch sowas?

00:25:40: Jetzt im fall von Matthew Hardy elf jahrelang hunderte von Fake Profilen dutzende Opfer.

00:25:47: was geht in so jemandem vor?

00:25:50: und ich sage es direkt ich hab darauf nicht eine saubere Antwort aber vielleicht ein paar Puzzleteile.

00:25:56: Und ich weiß, dass es so einen Wunsch nach Klarheit gibt und auch vielleicht ein bisschen einen Drang.

00:26:02: Wir hätten dafür so ein Etikett wie ja er ist eben ein Narzisst oder er isst eben Psychopath.

00:26:08: Aber warum das zu kurz greift?

00:26:09: Das würde ich gerne erklären.

00:26:12: Also etwas was mir auch immer wieder auffällt Immer wenn Gewalt passiert im echten Leben oder Gewalt Im digitalen Raum sowie jetzt hier scheint es eine Tendenz von Menschen zu geben, zu sagen da wird schon was gewesen sein.

00:26:27: Also dieses nicht wahrhaben wollen dass es Dinge gibt für die das Opfer wirklich rein gar nichts kann und dass man dann nicht einfach sagen kann ja also bitte das könnt ihr doch unter euch irgendwie klären.

00:26:41: oder bestimmt hat das Opfe auch irgendwas dazu beigetragen oder so?

00:26:46: Und da schwingt dann immer sowas mit wie naja vielleicht war der Täter ja auch irgendwie verletzt geschieht sowas also aus Rache.

00:26:55: Und das ist eine Erklärung, die bei Cyber-Stalking und digitaler Gewalt durch Ex-Partner und Partnerin auch tatsächlich manchmal naheliegt – und nochmal!

00:27:05: Es geht überhaupt nicht darum, das zu entschuldigen, sondern tatsächlich gibt es Cyber-Stalking-Täter vom sogenannten Rejected Type.

00:27:13: Das sind Menschen, die nach dem Ende einer Beziehung stalken und zwar durchaus motiviert aus einem Wunsch nach Rache, der sich manchmal aber kurios mischt mit einem Wünsch nach Versöhnung.

00:27:28: Also wenn so ein Cyber-Stalking stattfindet nach einer Trennung dann ist das eine tatsächlich häufige Motivation der Täter dass sie Rache nehmen wollen, dass sie das Opfer schädigend und zerstören wollen!

00:27:42: Und einen Wunsch haben nicht nur das Narrativ zu kontrollieren, sondern auch die andere Person zu kontrollien.

00:27:50: Das ist aber jetzt was, was zum Beispiel im Fall von Hardy nicht greift?

00:27:53: Er hatte überhaupt keine Beziehung zu seinen Opfern – das waren häufig völlig fremde Personen!

00:27:58: Es gab in seinem Fall keinen Verlust, keine Kränkungen, keine Zurückweisung, die er irgendwie nicht hätte verarbeiten können.

00:28:06: Sondern Hardy hat in einem polizeilichen Interview gesagt, dass die Frauen ihn einfach auf den Sack gegangen

00:28:13: sind.".

00:28:13: Die Frauen haben ihn genervt.

00:28:16: Mir ist fast das Herz stehen geblieben bei dieser lapidaren Aussage, also wenn das seine Erklärung ist so viel Leid über so viele Menschen gebracht zu haben dass es einfach Frauen waren die ihn generft haben.

00:28:29: Also in Matthew Hardys Fall scheint auf jeden fall eine diffuse Feindseligkeit gegenüber Frauen gegeben zu haben sprich Misogyny und dieser Aspekt wird Nach meinem dafür halten in der Forschung noch ein bisschen zu wenig betrachtet.

00:28:45: Und natürlich gibt es auch Frauen, von denen Cyber-Stalking ausgeht.

00:28:49: aber vielleicht müsste man da nochmal ein bisschen genauer so in die individuellen Hintergründe der Täter und eben auch der Taterinnen gucken.

00:28:55: was wir wissen ist dass männliche Cyber-Sstalking-Täter segnifikant häufiger schwere invasive Verhaltensweisen zeigen also zum Beispiel sexuelle Belästigung nötigungen Standortüberwachung, Bedrohungen, unerwünschte sexuelle Avancen.

00:29:11: Und das sehen wir halt bei Hardy auch als.

00:29:13: er hat seine Opfer sehr gezielt unter anderem durch sexualisierte Inhalte gedemütigt und von ihrem sozialen Umfeld isoliert.

00:29:22: Das sind in meinen Augen keine geschlechtsneutralen Handlungen sondern für mich schwingt da der Frauenhasst mit aber die Forschung zur wahren Motivlage ist noch ein bisschen dünn.

00:29:34: Hardy selbst, wie gesagt hat gesagt ja die sind mir eben auf die Nerven gegangen und da schwingt etwas mit dass ich psychologisch sehr aufschlussreich finde.

00:29:43: Und das wird in der Forschung zu Gewalt gegen Frauen als Entitlement beschrieben also eine Art Anspruchsdenken, dass wenn Frauen nicht so sind wie ich sie haben will und nicht tun was ich will dann bin ich entitelt also berechtigt Sie zu bestrafen.

00:30:02: Also sie finden ihr Agieren gerechtfertigt und sie empfinden das als sozusagen zurückschlagen.

00:30:12: Als sei das Stalking eine Art Vergeltung für etwas, dass ihnen angetan wurden – den Tätern!

00:30:19: Und bei Hardy war dieses große Unrecht, dass ihm widerfahren ist offenbar, dass Frauen ihn ignoriert haben Und deshalb hatte er auch den Eindruck, dass es ihm zusteht diese Frauen schwerstens zu schädigen.

00:30:33: Und dazu was ganz Interessantes – Es gibt einen Faktor der direkt mit Cyber-Stalking-Täterschaft zusammenhängt und eine Tätersschaft so etwas wie vorher sagen kann faktorenanalytisch und das ist eine Stalking bejahende Einstellung!

00:30:51: Eine Stalkings… bejahende Einstellung bedeutet, dass jemand glaubt das Stalking nicht so schlimm ist.

00:30:58: Dass das Opfer selbst schuld ist.

00:31:00: Das man das ja einfach ignorieren kann weil es ja nur online und genau diese Einstellung eingebettet in eine Art gesellschaftliches und kulturelles Klima, dass das normalisiert, dass über Frauen in bestimmten Kontexten Kontrolle ausgeübt wird.

00:31:15: Genau diese Stalkings- bejahnende Einstellungen steht in direkter Verbindung zu Cyberstocking-Täterschaft.

00:31:24: Das sind Menschen, die wirklich denken ist doch nicht so schlimm und steht mir

00:31:29: zu.".

00:31:29: Dann gibt es noch andere Gedankengänge.

00:31:31: Ist das zum Beispiel eine Obsession?

00:31:34: Man spricht ja manchmal vollkommen ungerechtfertigt übrigens über Taten aus Leidenschaft oder verharmlost und reframe Gewalt in Partnerschaften als Liebesdrama oder so, oder als Beziehungstat.

00:31:52: Und das ist natürlich eine Verschleierung von Gewalt und auch Missbrauch in dem es sozusagen das Opfer wieder mit ins Boot holt und dann noch so tut, als hätte es auch nur entfernt was mit Liebe oder Romantik oder Begehren zu tun.

00:32:06: und in diesem Kontext kommt dann eben manchmal auch so erstes nur Obsession.

00:32:11: Und erstmal klingt das ja auch passend jemand der elf Jahre lang jeden Tag dieses Verhalten zeigt, muss ja irgendwie obsessiv besessen sein.

00:32:21: Und ja in gewisser Weise ist das auch so.

00:32:23: also diese Fixierung und dieses gar nicht loslassen können, dieses immer wieder gleiche Verhaltensmuster dass er gezeigt hat nur jetzt aus meiner Sicht als klinische Psychologin hat natürlich Obsession im Sinne von Obsessive oder OCD oder Zwangsstörung eine ganz andere Bedeutung nämlich da geht es um wiederkehrende, ungewollte Gedanken und ritualisierte Handlungen die die Betroffenen selbst als quälend empfinden.

00:32:52: Als ich dyston!

00:32:54: Das heißt jemand der wirklich unter einer Zwangsstörung leidet oder unter Zwangsgedanken will die loswerden.

00:32:59: Der findet das nicht cool und er zieht es auch nicht als Entschuldigung heran für schreckliches Verhalten.

00:33:07: Also, wir müssen das wirklich sehr zentral unterscheiden.

00:33:10: Findet eine Person ihr eigenes Denken und Tun als belastend und auch in gewisser Weise nicht zu sich gehörend und als störend oder passiert das alles in kompletter Übereinstimmung mit den eigenen Wünschen?

00:33:25: Und bei einem Täter wie jetzt Matthew Hardy gibt es überhaupt keine Hinweise darauf, dass er unter seinem eigenen Verhalten gelitten hätte.

00:33:32: Sondern er hat das strategisch geplant und seine Methoden weiterentwickelt.

00:33:37: Er hat sich technisch immer wieder neu aufgestellt... Er hat weitergemacht, selbst nachdem er verhaftet wurde.

00:33:43: Das hat aber mit einem Zwang im klinischen Sinne gegen den er sich gar nicht hätte wehren können oder jetzt therapeutische Unterstützung bräuchte oder so überhaupt nichts zu tun.

00:33:53: Sondern Matthew Hardy ist jemand der sich entschieden hat da immer weiterzumachen und da bin ich vielleicht ein bisschen kleinlich – aber nein das ist keine Obsession!

00:34:02: Und das hat weder was mit Zwang in klinischem Sinn noch mit Leidenschaft zu

00:34:07: tun.".

00:34:08: Noch eine Frage.

00:34:09: Ist es denn wirklich sexuell motiviert, weil diese Art von Tätern – und jetzt in dem Fall Matthew Hardy – da geht's ja auch viel um sexuell konnotierte Inhalte, sexuelle Demütigung, sexuelle Texte die ausgetauscht werden zwischen den Fake-Accounts, die er kreiert hat und dann eben wie gesagt Fake Abby und ihr Chef

00:34:28: usw.,

00:34:29: oder ist das gar ein Fetisch?

00:34:31: Und man könnte ja auch drauf kommen, ne?

00:34:33: Sehr viel Aufmerksamkeit wird darauf gelenkt, deepfakes zu erzeugen.

00:34:37: Es geht um Fake-Nacktbilder und so weiter.

00:34:40: Da müssen wir ein bisschen genauer hinschauen – zumindest jetzt mal was dieses Fetischargument angeht!

00:34:46: Das ist psychologisch definiert als eine sexuelle Erregung die sich durch unbelebte Objekte oder nicht genitale Körperteile ergibt also zum Beispiel durch Schuhe Oder durch bestimmte Materialien, wie Latex oder so.

00:35:03: Oder auch Füße also eben nicht genitale Körperteile und das hat jetzt mit dem was bei dieser Art von Täterverhalten zu sehen ist überhaupt gar nichts zu tun!

00:35:14: Und ja es gibt in der DSM V verschiedene sogenannte Paraphylien und dazu gehört auch Fetischismus Dazu gehört auch Woyeurismus zum Beispiel oder auch Exhibitionismus, aber nichts davon hat irgendetwas damit zu tun was Hardy getan hat.

00:35:30: Also am ehesten würde ich noch sagen naja also fetisch war das nicht.

00:35:34: wenn überhaupt dann war es eventuell Woyourismus also dass er sexuelle Erregung daraus gezogen hat ahnungslose Personen in sexuelle Aktivitäten zu verwickeln und sich darüber zu erregen dass er Menschen in solche Konversationen sozusagen faked und vielleicht auch sexuellen Sadismus, also das er durch das psychische und physische Leiden von anderen Menschen Erregung erlebt.

00:36:00: Aber das erklärt auch nur einen Teil weil all das andere nämlich die Identitätsanmaßung und die Machtausübung und all das ist dadurch nicht so gut erfasst.

00:36:09: Also man kann solche Taten nicht begehen und sagen ja gut so bin ich eben veranlagt Und ich finde es auch schwierig, wenn man so argumentiert.

00:36:18: Weil das dann so klingt als wäre das eine Art sexuelle Eigenart die man halt hat und nicht nach etwas dass man tut.

00:36:27: also so nach dem Motto ja naja das sind halt so meine Vorlieben.

00:36:30: aber wir reden hier von einem Verhalten das Menschenleben zerstört und das ist ein ganzes Verhaltenssystem das dahinter liegt.

00:36:40: Und es ist sicherlich nicht dadurch zu erklären oder gar zu entschuldigen, dass eben jemand sexuelle Vorlieben hat.

00:36:47: Zumal selbst wenn das ein Fetisch wäre da kann man ja im Erwachsenen Konsens jemandem finden der das vielleicht teilt oder wenn man selber einen Leidensdruck darunter entwickelt, kann man sich sexualtherapeutisch begleiten lassen.

00:36:59: Es gibt keinen Grund auf der ganzen Welt zu sagen Ja ich bin sexuell so veranlagt und aus diesem Grund kann ich das auch irgendwie so machen.

00:37:07: Noch eine Frage, die sich viele Menschen sicherlich stellen.

00:37:10: Nämlich ist das Narzissmus was diese Menschen antreibt oder sind das vielleicht psychopathische Menschen?

00:37:17: Und das sind tatsächlich die Erklärungen, die jetzt so in der Forense schon Psychologie am meisten diskutiert werden.

00:37:23: Das Stichwort hier ist die sogenannte dunkle Triade und die umfasst Nazismus also ein eigenes Grandiositätsempfinden und einen Bedürfnis von anderen bewundert zu werden und eine wenig ausgeprägte Empathie.

00:37:39: Zweitens Machiavellismus, damit ist gemeint dass man Menschen wie Marionetten bewegt und strategisch manipuliert und es genießt in so einer überlegenen gottgleichen Machtposition zu sein um die Püppchen tanzen zu lassen.

00:37:54: Und drittens In der dunklen Triade ist die Psychopathie.

00:37:59: Die ist gekennzeichnet durch Gefühlskelte, durch antisoziales Verhalten und auch durch Impulsivität Und das kann man auch ergänzen durch Sadismus, also die Freude am Leiden anderer Menschen.

00:38:11: Ja es gibt Studien, die Zusammenhänge zwischen diesen Persönlichkeitszügen und Cyberstock hingefunden haben aber es reicht halt überhaupt nicht für das Verständnis dieser ganzen Dimension dieser umfassenden Täterschaft aus.

00:38:26: Und vor allen Dingen sind das wiederum Studien, die sich auf Cyber-Stalking beziehen.

00:38:30: Aber nicht auf diese riesige Gemengelage von all dem was ja noch mit dranhängen kann also Identitätsklau und so weiter.

00:38:39: Es scheint aber schon zu sein dass insbesondere Sadismus und die Freude daran anderen Menschen leid zuzufügen oder sie zu demütigen Einerklärender Faktor ist.

00:38:50: Das passt zumindest zudem was wir jetzt bei Harley sehen.

00:38:52: es ist jemand der offensichtlich Lust daraus zieht Chaos im Leben von anderen Menschen anzurichten.

00:38:59: Oder überhaupt etwas, was deren Leben für immer verändert?

00:39:05: Und am nächsten kommen wir wahrscheinlich, wenn wir die Frage stellen, steckt da also ein Kontrollbedürfnis hinter oder geht es um die Machtausübung?

00:39:12: und ich hatte das eben schon erzählt.

00:39:14: Es gibt Forschung zum Stalking und es gibt einen Typen von Stalker der sich ungerecht behandelt fühlt und aus einem Machtgefühl heraus bei seinem Opfer Angst auszulösen, eben dieses Stalkingverhalten zeigt.

00:39:30: Das ist der sogenannte Resentful-Stalker.

00:39:33: Und dann gibt es aber auch noch den Predatory-Storker, der durch die verdeckte Überwachung und die Kontrolle und durch die Ahnungslosigkeit seines Opfers Befriedigung erlebt.

00:39:44: Und Kontrolle isst ein übergreifendes Muster – auch in gewalttätigen Beziehungen Nicht im digitalen Raum, sondern im echten Leben.

00:39:52: Und diese Art von technologievermittelter Gewalt scheint genau dieses Muster im digitalem Raum zu reproduzieren.

00:40:02: Also Menschen die in Beziehungen Kontrolle ausüben über Partner oder Partnerin reproduziert das im digitaler Raum.

00:40:11: Bei Hardy geht es nicht um Partnergewalt.

00:40:13: Seine Opfer waren ja teilweise ganz fremde Menschen.

00:40:16: Trotzdem ist aber das Kontrollmotiv bei ihm scheinbar schon sehr vorherrschend, also im Grunde das Gefühl Gott zu spielen im Leben anderer Menschen und deren Realität so krass zu manipulieren dass hinterher kein Stein mehr auf dem anderen steht oder Menschen sich nicht mehr vertrauen oder Menschen sie trennen ohne bemerkt zu haben Teilweise dass sie manipuliert worden sind.

00:40:36: Das scheint auf jeden Fall eine Rolle zu spielen und neben den ganzen psychologischen Mutmaßungen über Persönlichkeitsdiele, Störungen oder sexuelle Vorlieben vergessen wir manchmal, dass es aber auch so eher banale Gründe gibt.

00:40:51: Und zu so banalen Gründen gehört zum Beispiel Langeweile.

00:40:58: Eine der häufigsten Tätermotivationen scheint zu sein, dass sie sich dadurch unterhalten fühlen.

00:41:05: Es gab so eine ganz interessante Studie, die ist nicht quantitativ.

00:41:08: Die ist nicht statistisch auswertbar sondern qualitativ.

00:41:12: Da haben sowohl Catfishing-Täter als auch Catfashing-Opfer in eigenen Worten beschrieben was sie erlebt haben und wie es ihnen damit ging und jetzt aufseiten der Täter warum sie das getan haben usw.

00:41:26: Das wurde vor allen Dingen sprachlich und linguistisch ausgewertet Und da merkt man das so deutlich, dass manchmal gar nichts Dramatisches dahinter steht.

00:41:36: Sondern das ist für die Täter manchmal so ist, dass sie dadurch was zu tun haben – dass es ihnen Spaß macht!

00:41:43: Und auch Matthew Hardy hat im Polizeiverhör gesagt er sei halt einsam gewesen.

00:41:47: Er hatte meiste Zeit allein in seinem Zimmer verbracht oder später in seiner eigenen Wohnung.

00:41:51: Er war arbeitslos, er war sozial isoliert, er hatte keinen Tagesrhythmus, keine Verpflichtungen, keine Beziehungen und das Internet war sein... sozialer Raum sozusagen und seine Opfer wiederum beschreiben, dass sie immer genau wussten wann er schläft weil dann mal für sechs mal für acht Stunden Ruhe war.

00:42:10: Und das ist jetzt nicht so was Spektakuläres wie das Synthedisten oder Psychopathen sondern häufig sind es Menschen die gelangweilt sind mit echten sozialen Interaktionen überfordert Digitalen Raum, also im Internet zum ersten Mal in ihrem Leben manchmal so eine Art Wirksamkeit erleben.

00:42:29: Also das Gefühl dass sie etwas bewirken können, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben.

00:42:34: und selbst wenn diese Konsequent darin besteht, dass ein anderer Mensch Leid erfährt ist diese Wirkung die ihr eigenes tun erzeugt eben sofort spürbar!

00:42:43: Und es kostet sie nichts außer ein paar Mausklicks und es ist anonym und du kannst das sofort haben.

00:42:49: und das ist für einige Menschen tatsächlich verlockend scheinbar.

00:42:54: Und wenn das so ist, dass also lange Weile und leichter Zugang zu Social Media und fehlende soziale Einbindungen plus dann eben die unmittelbare Belohnung der Kick, der Thrill, der sofort daraus folgt.

00:43:05: Wenn das eine gemenge Lage ist, die das begünstigen kann, dann treffen wir es halt gar nicht mal so selten an!

00:43:11: Und wenn dann noch das Einfüllungsvermögen nicht ganz intakt ist oder die Möglichkeit fehlt... eben zum einen durch die Distanz, die man online immer hat.

00:43:21: Aber auch vielleicht weil in der eigenen Persönlichkeit irgendetwas so ist dass man keine Empathie empfinden kann dann begünstigt das das sicher auch.

00:43:29: und ich hatte gerade schon über Sadismus gesprochen oder über Psychopathie.

00:43:34: da gehört es ja zu den Kernmerkmalen nicht mithührend zu reagieren.

00:43:39: Und das ist jetzt in Matthew Harleys Fall aber nochmal ganz anders gelagert und zwar wurde bei ihm als Teenager Autismus diagnostiziert.

00:43:48: Und das wurde später bei der Strafzumessung auch berücksichtigt und seine neunjährige Strafe wurde auch nochmal um ein Jahr reduziert.

00:43:57: Jetzt fühle ich mich da so ein bisschen auf dünnem Eis, weil ich das auf keinen Fall so stehen lassen möchte... Also ja, Autismus kann schon Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion und auch bei der socialen Kognition sozusagen verursachen und mit Problemen die Perspektive anderer Menschen einzunehmen oder emotionale Signale zu lesen.

00:44:18: Aber Autismus erklärt natürlich überhaupt kein kriminelles Verhalten und die allermeisten Menschen, die auf dem Autismus-Spektrum sind, sind natürlich weder gewalttätig noch manipulativ – und es wäre jetzt wirklich superfahrlässig und auch sehr stigmatisierend hier diese Gleichung aufzumachen!

00:44:36: Ich möchte das nur aus Transparenzgründen erwähnen, dass wenn wir sagen Zwischenmenschliche Probleme können ein Faktor sein und fehlende Empathie kann ein Faktor sein, dann kann es tatsächlich so sein dass die Autismusdiagnose die Matthew Hardy schon als Teenager bekommen hat eine Rolle gespielt haben mag.

00:44:55: Aber das ist das was ich eingangs schon gesagt habe.

00:44:57: Eine Erklärung ist eben auch keine Entschuldigung Und das sind Risikofaktoren aber eben auch kleine Ursachen sondern ganz viele Menschen sind sozial isoliert oder haben zwischenmenschliche Schwierigkeiten, oder sogar diese Stalking bejahende Einstellung von der ich gesprochen habe.

00:45:15: Oder haben selber Mobbing erfahren oder oder oder und von mir aus haben sie ein Fetisch- oder fühlen sich sexuell zu Wojurismus hingezogen

00:45:24: usw.,

00:45:26: also ganz viele Menschen erleben das alles oder einige Aspekte davon und werden ja eben trotzdem nicht zu Tätern oder Täterinnen.

00:45:35: Unter dem Strich können wir festhalten, dass immer noch die Online-Kommunikation und alles was im digitalen Raum passiert offensichtlich nicht mit den gleichen ethischen Normen gemessen wird wie eine persönliche zwischenmenschliche Kommunikation.

00:45:51: Und das wenn die Opfer die Zielperson nur sozusagen virtuell wahrgenommen werden und nicht als echte fühlende Menschen das auch noch ganz stark begünstigt.

00:46:01: Das wirft juristische Fragestellungen auf.

00:46:04: so Ich habe es eingangs schon gesagt, sollten wir verpflichtet sein uns im Internet mit unserem Klarnamen zu bewegen.

00:46:12: Sollten wir uns identifizieren bevor wir andere Menschen beleidigen manipulieren oder zutiefst verletzen?

00:46:18: wie sieht das eigentlich aus?

00:46:21: Aber es wirft halt auch psychologische Fragestellungen auf.

00:46:23: und diese zunehmende Enthemmung die wir online wahrnehmen entsetzlichem und ekelhaften und brutalen Verhalten, dass Menschen online zeigen, das sie im Zwischenmenschlichen echten Kontakt niemals zeigen würden.

00:46:40: Das sagt schon auch ein bisschen was über unsere psychische Verfassung.

00:46:44: Und es scheint so zu sein, dass manche Menschen wirklich verschiedene Bereiche ihres Lebens so stark voneinander abtrennen – und sprich davon Kompartmentalisierung also eigene Compartments bilden in ihrem Inneren, sodass Sie auch kein Störgefühl haben weil sie ihr Alltags selbst von dem Cyber-Stalker oder dem Troll, oder dem Deepfaker oder was auch immer Sie online sind einfach abspalten.

00:47:12: Und es scheint der menschlichen Psyche sozusagen zu erlauben, wenn ich das in verschiedene innere Abteilungen ablege und da so parallele Existenzen habe.

00:47:20: Das für den echten Menschen soziale Regeln gelten und moralische Maßstäbe gelten aber für die Online-Version von mir und meine vielen Fake-Accounts eben nicht!

00:47:30: Es würde mich das insofern auch gar nicht so treffen... Im Kleinen kennen wir das vielleicht, dass wir eine andere Persona oder eine andere Rolle auskleiden bei der Arbeit als Zuhause.

00:47:42: Oder wenn wir als Chefin angesprochen werden oder als Schwester oder als Mutter – ganz klar!

00:47:47: Das ist in gewisser Weise auch normal.

00:47:51: Aber mein Eindruck ist, dass diese Fragmentierung des selbst durch den digitalen Raum nochmal ein ganz anderer Dynamik erfährt und die Enthemmung für die digitalen Fake-Accounts ein riesiges Problem ist.

00:48:08: Also wenn wir es nochmal zusammenfassen, warum zur Hölle tut jemand so etwas über Jahre oder sogar mehr als einen Jahrzehnt?

00:48:16: Es gibt dafür kein einzelnes Wort und es ist klar keine Obsession im klinischen Sinn.

00:48:22: Es ist nicht einfach durch Nazismus- oder Psychopathie zu erklären, es ist sicherlich kein Fetisch.

00:48:29: wahrscheinlich ist das ein Zusammenspiel von einem Kontrollbedürfnis.

00:48:34: Wahrscheinlich geht es um eine Art sadistische Gratifikation und ein Genuss denitäter daraus ziehen, andere zu demütigen.

00:48:44: Und so schädigen?

00:48:45: Es geht bestimmt um eine geringe Selbstkontrolle – wir haben's mit digitaler Enthemmung zu tun – mit moralischem Disengagement.

00:48:53: So als hätte ich als Mensch moralisch keine Verantwortung für das was ich mache wenn ich im Namen von Fake-Accounts agiere.

00:49:00: und das Ganze wird wahrscheinlich gefüttert von Langeweile!

00:49:04: Einsamkeit und die Psychologie hat dafür noch kein integriertes Modell.

00:49:10: Das sind alles nur kleine Puzzleteile, die ich jetzt genannt habe.

00:49:13: Die liegen auf dem Tisch und die passen ganz gut zusammen aber ein fertiges Bild wo sich auch Lehrmeinungen hinterversammeln könnte fehlt.

00:49:22: Und das ist in vielerlei Hinsicht tragisch und traurig dass nicht nur Nicht nur die Forschung und auch die Strafverfolgungsbehörden und Auch die Gesetze den Tätern Ich sage es nochmal hinterherrennen und noch keine geeigneten Standards entwickelt haben, darauf zu reagieren.

00:49:38: Und das Weiterhin.

00:49:39: die Realität von Betroffenen ist dass sie jahrelang nicht wissen wer ihnen das antut und dann von der Polizei noch gesagt zu bekommen ja dann soll man halt offline gehen Ja!

00:49:49: Das ist halt maximal unbefriedigend und darin liegt ganz oft auch eine zweite Schädigung auf einer anderen Ebene für die Opfer.

00:50:02: Wir müssen aufhören, digitale Gewalt als irgendwie weniger real zu behandeln bevor ihm das Handwerk gelegt wurde.

00:50:35: So, oh, das war jetzt lang und vielleicht auch ein bisschen sehr abstrakt aber das war mein Take zu dem Thema und solltest du in irgendeiner Art und Weise von digitaler Gewalt, Hate im Internet, Identitätsdiebstahl oder sonst irgendetwas betroffen sein dann möchte ich dich ermutigen das ernstzunehmen.

00:50:52: Anlaufstellen werde ich unter dieser Podcast-Folge verlinken.

00:50:55: Zum Beispiel möchte ich auf Hate-Aid Aufmerksam machen, die sind auf digitale Gewalt und Hass im Netz spezialisiert und bieten auch betroffenen Beratungen an – und es gibt absolut keinen Grund sich zu schämen!

00:51:08: Die Täter müssen sich schäme.

00:51:10: Ja… Und all das was ich heute erzählt habe basiert auf den Recherchen der Journalistin Sheeran Cail.

00:51:17: Was ich zusammengetragen habe, sind psychologische Modellvorstellungen und Theorien über das Thema Cyber-Stalking, Catfishing.

00:51:26: Und all das was wir erst beginnen zu verstehen.

00:51:28: Ich habe nie mit Matthew Hardy persönlich gesprochen Sondern ich teile hier meine Eindrücke und meine Theorienen.

00:51:36: Lass uns sehr gerne darüber im Gespräch bleiben!

00:51:37: Ich mache einen Post bei Instagram so wie immer Um bin gespannt was ihr zu der aktuellen Debatte sagt.

00:51:45: Danke fürs Zuhören.

00:51:46: Ich freue mich, wenn ihr am nächsten Sonntag wieder einschaltet.

00:51:49: Bis dahin und passt gut auf euch auf!

00:52:14: Tschüss!

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